Pensionistenverband-Chef Karl Blecha hält Förderung für „völlig unzureichend“.

Was wäre Ihnen eine Person wert, die jeden Tag rund um die Uhr bei Ihnen zu Hause ist, für Sie kocht, putzt und wäscht? Eine, die sich mit Ihnen unterhält, die Sie pflegt, wenn Sie krank sind? Partner und Familie wären für diese Hilfe Goldes wert, denn für eine 24-Stunden-Betreuerin aus Osteuropa legt man zwischen 1000 und 3000 Euro monatlich hin.

Die Unterschiede sind enorm: Von einer Betreuerin, die kaum Deutsch spricht und gerade einmal ein Pflaster auf Wunden kleben kann, bis zu einer Diplomkrankenschwester mit perfekten Sprachkenntnissen bieten Internetplattformen die gesamte Bandbreite an. Vermittelt werden die meist selbstständigen Arbeitskräfte über Agenturen.

Diese Agenturen haben die Grünen jüngst ins Visier genommen: Sozialsprecherin Judith Schwentner forderte eine Art „Qualitätssiegel“, um Ausbeutung und Missständen in der Heimpflege vorzubeugen. 2015 haben knapp 22.000 Menschen in Österreich die Rund-um-die-Uhr-Betreuung vom Sozialamt gefördert bekommen, der Bedarf steigt jährlich um geschätzte neun Prozent.

Akademie statt Crashkurs

Die Kontrolle der Heimpflege obliegt dem Sozialamt. An der Verbesserung des Angebots arbeitet die Wirtschaftskammer als Interessensvertretung für Personenbetreuer.

Erst im Sommer wurden in den Herkunftsländern Rumänien, Bulgarien und der Slowakei Akademien gegründet. Dort wird zweisprachig unterrichtet, Deutschkenntnisse sind also Pflicht. Auf dem Kursplan stehen Bewegungs- und Ernährungslehre, Konfliktmanagement, der Umgang mit Demenzkranken und unternehmerische Grundlagen. „Die Akademie soll bald in den Regelbetrieb gehen, wir haben schon jetzt eine Warteliste“, sagt Fachgruppenobmann Harald Janisch zum KURIER. Finanziert wird die Ausbildung von den Wirtschaftskammern Wien und Niederösterreich. Ziel der Wirtschaftsbund-Funktionäre ist es, Unterstützer für dieses Modell in allen Bundesländern zu finden.

Die zertifizierte Ausbildung ist vorerst nur ein Wettbewerbsvorteil. Dem Sozialamt reicht für die Bewilligung einer Förderung schon ein einmonatiger Pflege-Crashkurs im Heimatland. Laut Janisch drängen auch aus Nicht-EU-Ländern Arbeitskräfte auf den Markt – etwa aus Moldawien: „Das sind meist Unqualifizierte, die zu Dumping-Preisen arbeiten.“

Pflegegeld-Valorisierung ins Gesetz

Qualität kostet Geld. Für ein mittleres Niveau, das flächendeckend zum Standard werden soll, müssten „mindestens 80 Euro Tageshonorar brutto“ drin sein, sagt Bibiána Kudziová, Berufsgruppensprecherin und Ombudsfrau bei der Wirtschaftskammer. Für Menschen mit kleiner Pension dürfte das kaum leistbar sein.

Die Förderprämien wurden seit zehn Jahren, als die 24-Stunden-Betreuung gesetzlich verankert wurde, nicht erhöht. Für eine selbstständige Kraft zahlt der Staat 550 Euro dazu, für eine Angestellte 1100 Euro. Wenn man das Niveau allgemein anheben will, müsse man die Förderungen verdoppeln, schlägt Kudziová, die selbst als Betreuerin arbeitet, vor.

Karl Blecha, Präsident des Pensionistenverbandes (SPÖ), hält die Förderung für diese Pflegeform schon jetzt für „völlig unzureichend“. Er pocht darauf, dass nicht nur die Prämie erhöht, sondern auch das Pflegegeld jährlich valorisiert werden muss. Auf eine Summe legt er sich nicht fest, er betont aber: „Das muss im Gesetz fixiert werden, weil Pflege und Betreuung in Zukunft in jeder Familie ein vorrangiges Thema sein werden.“

SPÖ-Sozialminister Alois Stöger hat nach der Grünen-Kritik in Aussicht gestellt, das derzeitige Modell überarbeiten zu lassen, wenn im Sommer der Rechnungshof-Bericht zum Stand der 24-Stunden-Betreuung vorliegt.

Fachgruppenobmann Janisch will schon im Mai ein Projekt vorstellen und dann mit der Politik in die Verhandlungen gehen. Den Vorstoß der Grünen begrüßt er: „Ich lade alle Parteien im Parlament ein, mit uns für eine Erhöhung der Förderung einzutreten.“

Bund und Länder haben die 24-Stunden-Betreuung im Vorjahr mit insgesamt 138,6 Millionen Euro gefördert.

Originaltext: kurier.at (erstellt am

Foto von: Richard Varadappa