#meinhard-schiebel bloggt

Der Alltag von Menschen, die ihre Angehörigen betreuen oder pflegen, gehört ihnen nicht. Ob sie planen oder nicht, ob sie lange Jahre Erfahrung damit haben, ob sie jung oder alt sind, hat wenig Bedeutung. Ihr Tag ist Programm. Eingebettet in ihre Aufgabe.

Es ist im Leben von Menschen eine Selbstverständlichkeit, eines Tages autnonom zu sein. Befreit von der Obhut ihrer Eltern, auf dem Weg in die Unabhängigkeit und ihre eigene Lebensgestaltung. Dass jemand einmal krank wird, den sie kennen, der zu ihrer Familie gehört, den sie mögen oder auch nicht, prägt nur dann ihre Kindheit, wenn es in irgendeiner Form ihren Alltag beeinträchtigt. Wenn etwas in Unordnung gerät, wenn etwas bedrohlich ist. Fieber, kleine Unfälle, Kinderkrankheiten sind Kinderalltag. Eltern haben nicht krank zu sein.

Wer als Kind mit schwerer Krankheit, Sterben und Tod zu tun hat, lernt früh, dass das Leben auch brüchig ist. Viele von ihnen tun das, was am besten hilft. Sie verdrängen so gut wie möglich, um ihr eigenes Wachsen und Entfalten nicht zu beeinträchtigen. Das Leben hat gut zu sein, so gut wie möglich. Wer das nicht schafft, steht rasch auf der Verliererseite, denken sie.

Der Tag, an dem im eigenen Leben durch Pflege und Betreuung alles durcheinandergebracht gebracht wird, gehört nicht ins Programm. Was geschieht, wenn es geschieht – ich höre es mir an, lese es, es kommt von allen Seiten. Immer wieder. Die Tage sind plötzlich nicht mehr bestimmt vom Alltag, wie er vorher war. Auswege? Irrwege? Umwege? Langsam kommt das Thema „Pflegende Angehörige und Zugehörige – wie soll das alles gehen?“ in die Gänge.

Die Diskussionen sind noch gezeichnet von einer Art von Hilflosigkeit. Nicht auf Seiten der Betroffenen, die versuchen, irgendwie mit der Situation zu leben. Aber auf der anderen Seite. Angebote, die die Betroffenen nicht gut erreichen, Angebote, die nicht in die Lebenssituation der Betroffenen passen. Ratlosigkeit auf beiden Seiten. Wir müssen lernen, wie das geht – Hunderttausende Menschen, die daheim betreuen und pflegen zu finden, um ihnen helfen zu können.

Birgit Meinhard-Schiebel (Foto: Christian Anderl)
Foto: pflegenetz/Varadappa
Birgit Meinhard-Schiebel (Foto: Christian Anderl)

Birgit Meinhard-Schiebel

Sozialmanagerin, Präsidentin der Interessengemeinschaft pflegender Angehöriger www.ig-pflege.at

Foto: Christian Anderl