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    ZwischenmenschlichesPsychohygiene
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    Aktualisiert am 18.07.2011

    Einleitung

    Um den steigenden Anforderungen an die Gesprächskompetenz in Pflegeberufen gerecht zu werden, sind an der Praxis orientierte Methoden gefragt, die eine kritische Reflexion des eigenen Handelns ermöglichen. Der Begriff kommunikative Kompetenz beschäftigt sich mit der Fähigkeit von Menschen, in Gesprächssituationen Merkmale der GesprächsteilnehmerInnen, der Interaktion und der situativen Angemessenheit zu berücksichtigen. Hierzu ist es notwendig, aus dem in der Ausbildung und im Beruf erworbenen Wissen praxisrelevante Handlungsweisen zu entwickeln, die an den wechselnden Anforderungen im Pflegealltag orientiert sind.

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    Anwendbarkeit von Kommunikationstheorien

    Moderne Kommunikationsmodelle, als Beispiel sei die Transaktionsanalyse genannt (vgl. Gerhold 2008, S.68f), können dazu beitragen, kommunikative Kompetenzen zu erweitern. Fachbücher für Pflegeberufe beinhalten deshalb strukturierte Abhandlungen über ausgewählte Theorien, wobei inhaltliche Bezüge zum Pflegealltag die Verständnisfähigkeit fördern sollen. Auch wenn eine komprimierte Darstellung unverzichtbar ist, fällt es meist schwer, die komplexen theoretischen Inhalte zu verstehen und dauerhaft in das eigene kommunikative Repertoire zu übernehmen. In der Gesprächsführung wird dann häufig auf automatisierte Reaktionsweisen zurückgegriffen, die den Anforderungen mehr oder weniger gerecht werden.

    Die Schulung kommunikativer Fähigkeiten auf der Basis eines reflektierenden Praxiskonzepts (vgl. Schwarz 2009, S.11) kann hier eine verlässliche Orientierung geben. Mit diesem Konzept werden Richtlinien zur Seite gestellt, mit denen neue Aktionsideen entwickelt und im beruflichen Alltag geprüft werden können. Bezug nehmend auf die Transaktionsanalyse kann zum Beispiel gefragt werden, wie mit offenen oder verdeckten Manipulationsversuchen von PatientInnen umzugehen ist. Basierend auf den fachlichen Kenntnissen und praktischen Erfahrungen kann gefolgert werden, dass ein behutsames Ansprechen oder Ignorieren denkbare Lösungen sind, deren Zweckmäßigkeit im Handlungsfeld aktiv geprüft werden muss.

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    Beispiele aus der Praxis

    Im Zuge einer handlungsorientierten Berufsausübung werden Gesprächsmittel nach Maßgabe einer analytischen Beurteilung des Kontextes, in dem das Gespräch erfolgt, gemäß der persönlichen Möglichkeiten und spezifischen Merkmale der Situation ausgewählt. In der Fachliteratur publizierte Richtlinien der Kommunikation haben deshalb allenfalls den Wert allgemeiner Ratschläge, deren Nutzen sich im Handlungsfeld erst bewähren muss. Dies soll im Folgenden exemplarisch dargestellt werden.

    • Kompatibilität von Ich- und Du-Botschaft: Bei Kritikgesprächen - zum Beispiel im Kollegenkreis - kann eine klare Stellungnahme zu einem Sachverhalt notwendig sein. Neben selbst offenbarenden Aussagen durch Ich-Botschaften kann eine dosierte Anwendung von Du-Botschaften, die nicht herabsetzend oder beleidigend eine Aussage über die Kollegin bzw. den Kollegen machen, wichtige Beiträge leisten, die eigene Sichtweise verständlich zu artikulieren (vgl. Schulz von Thun 2007, S.130f). Du-Botschaften enthalten nicht selten eine verdeckte Selbstoffenbarung („du bist wieder zu spät“=“ich bin überfordert“) und können daher dem Ausdruck eigener Empfindungen dienen.

    • Sensitivität für Person und Situation: PatientInnen mit erworbenen Defiziten (z.B. Sprache, Motorik) erfordern häufig ein besonderes kommunikatives Taktgefühl. Eine Rücksichtnahme durch aktives Zuhören und Nachfragen, die bewusste Anwendung oder Vermeidung verhaltensformender Strategien (z.B. Fehler korrigieren) können adäquate Methoden darstellen, um depressiven bzw. aggressiven Reaktionen bei der Krankheitsverarbeitung zu begegnen (vgl. Wingchen 2006, S.246ff). Aufgrund der Fluktuation von Reaktionsarten sind je nach Stimmungslage unterschiedliche Gesprächsmittel erforderlich.

    • Kooperative und Verständnis unterstützende Gesprächsführung: Eine aus PatientInnensicht unangemessene Gesprächsführung kann zu einer Einschränkung von Kooperationswillen und Therapietreue führen (vgl. Arnow 1996, S.72f). Zur Vermeidung negativer Reaktionen sollte der subtile Einfluss verbaler bzw. paraverbaler (z.B. Wortwahl, Betonung) sowie nonverbaler (Blickkontakt, räumliche Distanz) Äußerungen besonders beachtet werden. Speziell bei PatientInnen mit ernsthaften Erkrankungen können Fehlinterpretationen vermieden werden, wenn auf kulturelle oder bildungsmäßige Unterschiede in der Bedeutungszuweisung (z.B. „Krebs ist eine tödliche Krankheit“ bzw. „Krebs ist heilbar“) geachtet wird (vgl. Gregg & Saha 2007, S.369).
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    Abschließende Bemerkungen

    Der Begriff kommunikative Kompetenz behandelt die Fähigkeit von Menschen, konstruktiv mit anderen zu kommunizieren. Eine wichtige Voraussetzung hierfür ist, Verantwortung für das eigene Handeln zu übernehmen und Offenheit für neue Erfahrungen zu zeigen. Kommunikatives Handeln verfehlt seinen Zweck stets dann, wenn es von starren Gesprächsmustern ausgeht, die der Vielfalt menschlicher Äußerungsmöglichkeiten nicht gerecht werden.

    Kommunikative Kompetenz bei Pflegeberufen bedeutet, in einem durch Effizienz und Zeitmanagement bestimmten Umfeld, das eigene Verhalten flexibel auf die Individualität von Menschen und Situationen auszurichten. Dies erfordert eine zielgerichtete Verstärkung sozialer Kompetenzen, die in ihrer Gesamtheit den Erfolg pflegerischen Handelns mitbestimmen. Im Rahmen eines professionellen Berufsverständnisses sollte deshalb besonderes Augenmerk auf die Bewältigung kommunikativer Anforderungen und die Reflexion des eigenen Handelns gelegt werden.

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    Literatur

    Arnow, K.S. (1996): Medical technology transfer and physician-patient conversation. International Journal of Technology Management 11: 70-88.

    Gerhold, D. (2008): Das Kommunikationsmodell der Transaktionsanalyse. Paderborn: Junfermann.

    Gregg, J.; Saha, S. (2007): Communicative Competence: A Framework for Understanding Language Barriers in Health Care. Journal of General Internal Medicine 22: 368-370.

    Schulz von Thun, F. (2007): Miteinander Reden. Stile, Werte und Persönlichkeitsentwicklung. Hamburg: Rowohlt.

    Schwarz, M. (2009): Kommunikative Kompetenz für Pflegeberufe: Das Konzept der reflektierenden Praxis. Pflegenetz 1: 10-11.

    Wingchen, J. (2006): Kommunikation und Gesprächsführung für Pflegeberufe. Hannover: Brigitte Kunz Verlag.