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    FachwissenGeriatrie (+palliativ)med. Fachbereich
    Aktualisiert am 21.05.2012

    Einleitung

    Aufgrund des steigenden Anteils über 60-Jähriger an der Gesamtbevölkerung sind entsprechende Versorgungsstrukturen gefragt - über den Ausbau von Akutgeriatrie und Remobilisation-Stationen kann der Erhalt der Selbstständigkeit älterer Menschen unterstützt werden. AG/R Einrichtungen können über ein seit 2008 österreichweit verwendetes AG/R-Benchmarkingsystem Daten zur Prozess- und Ergebnisqualität untereinander vergleichen und über die gewonnenen Informationen eigene Behandlungswege optimieren.

    Eine der größten Herausforderungen unserer Zeit ist ohne Zweifel die immer älter werdende Gesellschaft. In Österreich gab es im Jahr 2010 8,4 Millionen Einwohner/innen, davon waren 1,9 Millionen älter als 60 Jahre. Das entspricht einem Bevölkerungsanteil von 23,1%. Nach Berechnungen der Statistik Austria wird die Bevölkerungszahl bis zum Jahr 2050 von 8,4 auf 9,4 Millionen anwachsen. Die Zahl der über 60-Jährigen wird in diesem Zeitraum auf 3,2 Millionen ansteigen und sich daher fast verdoppeln. Jede/r dritte Österreicher/in wird demzufolge 60 Jahre oder älter sein. Auch der in unserer Zeit häufig verwendete Begriff der „Doppelten Alterung“ bekommt mehr Griffigkeit, wenn man die Entwicklung des Bevölkerungsanteils der über 80-Jährigen genauer betrachtet. So wird sich der eben genannte Bevölkerungsanteil von etwa 4,8% im Jahr 2010 auf 13,2% im Jahr 2050 verdreifachen (vgl. Statistik Austria, 2011a).

     

     

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    Aktualisiert am 21.05.2012

    Angepasste Versorgungsstrukturen

    Wie in dieser Abbildung (Abb. 1 aus Statistik Austria, 2011b) veranschaulicht, wird die Gruppe der Älteren überproportional ansteigen, was in weiterer Folge neue Anforderungen an die Strukturen und die Organisation unseres Gesundheitssystems stellt. Die Nachfrage nach Leistungen, die die Bedürfnisse älterer Menschen decken, steigt. Dementsprechend rücken deren Anliegen in den Fokus der Planung des Gesundheitsangebotes und prägen dieses. Vorrangiges Ziel ist es, Versorgungs- und Betreuungsstrukturen zu schaffen und auszubauen, die es älteren Menschen ermöglichen, so lange als möglich im eigenen Lebensumfeld zu verbleiben und die Selbstständigkeit zu erhalten. Diesen Bestrebungen wurde in den letzten Jahren durch die Forcierung der Einrichtung von Akutgeriatrie und Remobilisation-Stationen (AG/R) Rechnung getragen.

    Als Zielsetzung dieser Einrichtungen wird im Österreichischen Strukturplan Gesundheit 2010 (ÖSG) Folgendes festgeschrieben: „Behandlung der akuten Erkrankung, Wiederherstellung und Erhaltung der Fähigkeit zur weitgehend selbstständigen Lebensführung, Vermeidung weiterer Funktionsverluste, Erhöhung der Lebensqualität und Reintegration der Patientin bzw. des Patienten in das gewohnte Umfeld; bei intendierter Rehabilitation im Anschluss an die AG/R-Versorgung Herstellung der Rehabilitationsfähigkeit“.
    Grundlage der Behandlungsplanung ist dabei ein umfassendes Diagnose-Programm – das geriatrische Assessment – welches den funktionellen Status eines betagten Menschen erhebt.

    Im Österreichischen Strukturplan Gesundheit 2010 ist der Ausbau dieser Einrichtungen bis zum Jahr 2020 vorgesehen. Dabei sollen die gesammelten Erfahrungen mit der Realisierung der AG/R Strukturen in der weiteren Planung im Zeitraum ab 2010 berücksichtigt werden.

    Alle AG/R Einrichtungen müssen die im ÖSG festgesetzten Strukturqualitätskriterien hinsichtlich baulicher, infrastruktureller und personeller Ausstattung erfüllen. Zudem sollen die Einrichtungen auch unterstützende Qualitätsmanagementstrukturen wie ein vereinheitlichtes Aufnahmeverfahren, laufende und standardisierte Dokumentation, Benchmarking und die Evaluation der Betreuungsergebnisse aufweisen.

    Benchmarking, als ein Instrument der Wettbewerbsanalyse, dient dazu, Produkte, Dienstleistungen, sowie Prozesse und Methoden mit Unternehmen zu vergleichen, um festzustellen, welche Unterschiede existieren, warum diese Unterschiede bestehen und welche Verbesserungsmöglichkeiten angestrebt werden können (www.wirtschaftslexikon.gabler.de).

     

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    Aktualisiert am 21.05.2012

    Benchmarking der AG/R-Einrichtungen

    Geriater/innen im Verein für Qualität in Geriatrie und Gerontologie (QiGG) erstellten zusammen mit der Joanneum Research Forschungsgesellschaft mbH ein AG/R-Benchmarkingsystem, welches österreichweit seit 2008 an AG/R-Abteilungen als Qualitätssicherungsinstrument verwendet wird. In diesem Benchmarkingsystem werden von den teilnehmenden AG/R-Zentren Patient/inn/en-Charakteristika sowie Daten zur Prozess- und Ergebnisqualität dokumentiert und für die einzelnen Zentren statistisch vergleichbar dargestellt. Damit die Dokumentation zeit- und ortsunabhängig durchgeführt werden kann, wurde dafür eine Software entwickelt. Diese ermöglicht die rasche Generierung von Berichten und Durchführung verschiedenster Analysen, wobei die Analysekriterien je nach Fragestellung individualisierbar sind. Eine nähere Beschreibung zum System finden Sie unter www.healthgate.at.

    Das AG/R-Benchmarking dient dazu, die Wirksamkeit eigener Behandlungswege und deren Ergebnisse im Vergleich zu anderen Zentren einzuschätzen. Damit ist dieses Qualitätssicherungsinstrument ein wertvolles Mittel zur Selbstreflexion und zur Steuerung qualitätsrelevanter Abläufe in der Akutgeriatrie und Remobilisation. Zusätzlich fördert der Verein QiGG durch das Benchmarking wissenschaftliche Diskussionen zwischen den Exptert/inn/en der Einrichtungen und regt zur Weiterentwicklung der Qualitätssicherung in der Geriatrie an.
    Angepasst an die jeweils spezielle Betreuungssituation werden eigene Benchmarkingmodule für den vollstationären und für den tagesklinischen AG/R-Bereich verwendet. Die Bögen enthalten für den jeweiligen Bereich Pflicht- und Wahlfelder. Die Pflichtfelder sind von allen teilnehmenden Einrichtungen bei jeder Aufnahme auszufüllen. Zu diesen Pflichtfeldern zählen unter anderem Daten vom geriatrischen Basisassessment, zu den führenden geriatrischen Funktionsstörungen und enthalten Informationen, wohin der/die Patient/in entlassen wurde. Zusätzlich können noch Angaben zu den diagnostischen und therapeutischen Leistungen wie auch zu diversen Begleiterscheinungen gemacht werden. Durch die Erhebung der Informationen in den Pflichtfeldern wird eine Basis an Daten für das Benchmarking sichergestellt. Für genauere Informationen können Sie den Bogen unter www.healthgate.at abrufen.
    Zweimal jährlich erfolgt eine Berichterstattung, die einen Vergleich ausgewählter Gruppen untereinander ermöglicht. Die Einrichtungen werden nach Größe und Struktur gruppiert und sind im Bericht namentlich genannt, wodurch ein offenes Benchmarking entsteht. Inhaltlich werden Auswertungen zu Einrichtungs- und Patient/inn/en-Charakteristika sowie Prozess- und Ergebnisqualität angeführt. Natürlich müssen die Unterschiede in den Auswertungsergebnissen zwischen den Einrichtungen immer im Kontext der betreuten Patient/inn/en-Gruppen interpretiert werden.

    Durch dieses Benchmarkingsystem konnte objektiv gemessen werden, dass die Geriatrischen Gesundheitszentren der Stadt Graz im zweiten Halbjahr 2011 über 73% der Patient/inn/en der vollstationären Akutgeriatrie direkt ins häusliche Umfeld entlassen konnten und so zum Ziel, möglichst lange im eigenen Lebensumfeld zu bleiben, wesentlich beigetragen haben.
    Die Akutgeriatrie und Remobilisation der Geriatrischen Gesundheitszentren der Stadt Graz strebt als Benchmarking-Teilnehmerin der ersten Stunde auch mit diesem Qualitätssicherungsinstrument nach kontinuierlicher Qualitätsverbesserung, um den betreuten Patient/inn/en eine optimale Behandlung zukommen zu lassen.

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    Aktualisiert am 21.05.2012

    Literatur

    Statistik Austria (2012): Vorausberechnete Bevölkerungsstruktur für Österreich 2011-2075 laut Hauptszenario. Download:

    www.statistik.at/web_de/statistiken/bevoelkerung/demographische_prognosen/

    bevoelkerungsprognosen/027308.html; (08.02.2012).

     

    Statistik Austria (2012): Bevölkerungsprognosen. Grafiken. Download:

    www.statistik.at/web_de/statistiken/bevoelkerung/demographische_prognosen/bevoelkerungsprognosen/index.html; (08.02.2012)

     

    Wübbenhorst, K. (o.J.): Benchmarking, Download:

    wirtschaftslexikon.gabler.de/Definition/benchmarking.html; (08.02.2012)