Schon gesehen
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Individualität und Ganzheitlichkeit
In den Wechseljahren ist eine gesunde Ernährung wichtiger denn je. Viele Frauen erleben diese Zeit als sehr anstrengend und leiden unter verschiedensten Beschwerdebildern. Der Ayurveda vermittelt, wie eine bewusste, energetisch ausgleichende Ernährung präventiv genützt und nebenwirkungsfrei die Befindlichkeit verbessert werden kann. Die Ernährung wird nicht als Diät, sondern als ein ganzheitlicher Prozess gesehen und kann eine wertvolle Ergänzung und Alternative zur Schulmedizin sein.
Ayurveda, aus dem Sanskrit übersetzt als die „Wissenschaft vom Leben“, ist von der WHO als traditionelles, holistisches Naturheilkundesystem anerkannt. Aufbauend auf einer Theorie mit jahrtausendealten, schriftlich festgehaltenen Praktiken und Ergebnissen stellt er eine Heilkunde dar, in der sich rationale, psychologische und spirituelle Methoden vereinen. Die Stärke liegt in der Gesundheitsförderung und Prävention. Im Mittelpunkt der komplexen Zusammenhänge des Ayurveda stehen drei universelle Funktionsprinzipien, welche sich in individueller Ausprägung aus den fünf Elementen Raum, Luft, Feuer, Wasser und Erde bilden. Diese Energieprinzipien, Vata, Pitta und Kapha genannt, definieren jede Materie im Kosmos sowie die Konstitution, Ernährungsbedürfnisse und die Natur der Befindlichkeitsstörungen (vgl. Gupta 2009, S.15ff.).
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Ernährung für ein hormonelles Gleichgewicht
Wechseljahresbeschwerden werden laut ICD als klimakterische Störungen definiert, in deren Folge bei vielen Frauen durch die hormonelle Umstellung des Körpers eine Reihe somatischer und psychosomatischer Befindlichkeitsstörungen auftreten können (vgl. ICD, 2010, 10, N95). Rund 75 Prozent aller Frauen unseres Kulturkreises leiden unter klimakterischen Symptomen, die teilweise so unangenehm sind, dass sie Hilfe suchen, sei es durch Hormonsubstitution, Ernährungsumstellung oder andere alternative Therapien (vgl. Northrup 2009, S.118; Hauser 1999, S.44ff.; Foth 2003, S.32ff .).
Der Ayurveda sieht die Beschwerdesymptomatik durch eine Vielzahl an Ungleichgewichten im Energiefluss, entstanden durch unachtsame Lebensweise und Ernährung. Die ayurvedische Gesundheitslehre bietet hier mit ihrem individuellen, ganzheitlichen Ernährungsprogramm eine hilfreiche Unterstützung an, die gestörte Regulation zu harmonisieren. Die Grundlage eines persönlichen Ernährungskonzeptes wird im Ayurveda auf die körperliche und psychische Konstitution, den gegenwärtigen Gesundheitszustand und auf die individuelle Funktionsweise des Stoffwechsels abgestimmt. Um dies zu ermitteln, bedarf es der diagnostischen Auswertung durch eine/n erfahrene/n Ayurvedapraktiker/in. Bei Störungen im Regulationssystem beruht das grundlegende Prinzip der konstitutionsgerechten und beschwerdelindernden Ernährung auf dem Ausgleich der erhöhten Eigenschaften (vgl. Gupta 2006, S.22ff.).
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Psychovegetative Symptome und trockene Schleimhäute
Diese Beschwerden werden durch ein Vata-Ungleichgewicht ausgelöst. Je mehr sich davon in der angeborenen Konstitution oder als Störung schon vor den Wechseljahren manifestiert hat, umso stärker wird auf die hormonelle Umstellung mit psychovegetativen Symptomen wie Erschöpfung, Unruhe, Panikattacken, extreme Sensibilität, starke Stimmungsschwankungen, Schlaflosigkeit, Migräne, Kältegefühle und vermehrter Trockenheit der Schleimhäute reagiert, da dieses Funktionsprinzip das Nervensystem stark beeinflusst und die Körpergewebe austrocknet.
Zur Harmonisierung sollte Nahrung mit den Eigenschaften leicht, warm, weich und feucht zugeführt werden. Dabei sind die Geschmacksrichtungen süß, leicht sauer, salzig und scharf empfehlenswert. Eine beruhigende Ernährung aus gekochtem Wurzelgemüse, saftigem Getreide und gedünsteten Früchten wirkt auf alle Sinne besänftigend. Wärmende Gewürztees sind wohltuend auf Kreislauf und beruhigen die angespannten Nerven.
Zu vermeiden sind alle trockenen, bitteren Gemüse und Gewürze, herbe Kräuter und Rohkost. Diese verstärken die Beschwerden und vermehren Vata, das in den Wechseljahren ohnehin zunimmt. Eine ruhige, stressfreie Lebensweise, harmonische Atmosphäre, regelmäßige Mahlzeiten und die Möglichkeit, den persönlichen Wünschen freien Raum zu gewähren, sind eine grundlegende Voraussetzung zum Ausgleich der erhöhten Vata-Energie (vgl. Rosenberg 2004, S.106ff.).
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Hitzewallungen
Beschwerden, die aus einer gestörten Pitta-Konstitution resultieren, sind eine Auswirkung des sich umstellenden Hormonsystems. Die dominante Pitta-Kraft flammt immer wieder mit starken Hitzeschüben auf, wodurch überschüssige Pitta-Anteile ‚verbrannt‘ werden. Brennende Gefühle auf der Haut und im Unterleib, Schwitzen, erhöhte Sensibilität gegen körperliche und psychische Reize kann dazu begleitend auftreten.
Die ausgleichenden Eigenschaften kühl, mild, feucht und nährend mit den Geschmäckern süß, bitter und herb, beruhigen und entsäuern den Stoffwechsel. Die Nahrung soll viel flüssige Substanz enthalten, um das heiße Element zu kühlen. Aufgrund der guten Verdauungskraft können viel frische Salate, Rohkost und knackig gedünstetes Wurzel- oder grünes Blattgemüse genossen werden. Vollwertige Getreide- und Eiweißprodukte, herbe und süße Kräuter und Gewürze, sowie wasserhaltige, süße Früchte und Kräutertee mit kühlenden Substanzen bieten den idealen Ausgleich für das feurige Element.
Zu vermeiden sind scharfe Gewürze, saures Obst und salzige, trockene Nahrungsmittel sowie kohlensäurehaltige Getränke und zu spätes Abendessen. Begleitend empfiehlt sich eine stressfreie Lebensweise, kühlende Spaziergänge im Wald, das Tragen von Perlen sowie eine Kopfmassage mit Kokosnussöl. Die aus dem Gleichgewicht geratenen, überschießenden Emotionen können mit Atemübungen und ausreichend Sport harmonisiert werden.
Auch in der Lebensphase zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr sollte besonders auf eine Pitta-ausgleichende Ernährung in Bezug auf die bevorstehenden Wechseljahre geachtet werden, um Störungen dieser Bioenergie nicht zu manifestieren (vgl. Rosenberg 2004, S.109f.).
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Gewichtszunahme
Bei einer gestörten Kapha-Energie kann es durch die veränderte Hormonsituation zu Trägheit der Verdauung, extremer Hitze im Kopf, Gewichtszunahme und Lethargie kommen.
Empfohlen wird eine strikte Kapha-reduzierende Ernährung. Dazu eigenen sich Nahrungsmittel, welche leicht, warm, trocken, anregend und vom Geschmack her scharf, bitter und herb sind. Leicht verdauliche, frische oder gedünstete Kombinationen von bitterem Gemüse, Kräutern, Blattsalaten, leichtem Getreide, sowie scharfe Gewürze helfen, Gewebe abzubauen. Saure Früchte sowie frisch gepresste Gemüse- und Kräutersäfte als Aperitif getrunken, sind ideal, den Stoffwechsel anzuregen. Zu meiden sind neben schweren, feuchten, kalten, süßen, sauren und salzigen Substanzen auch das Trinken zu den Mahlzeiten und der übermäßige Genuss von wasserhaltigen Früchten. Sie hemmen den Stoffwechsel und bauen Gewebe auf. Regelmäßiges Fasten und Entschlacken sowie täglicher Sport, viel Bewegung in frischer Luft und geistige Anregung verbessern nicht nur die Verdauung, sondern erhöhen auch das innere Feuer und die Motivation (vgl. Rhyner 2004, S.292).
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Schlussbemerkung
Freude am Essen, Lust am Genuss und eine ausgewogene Nährstoffbilanz machen eine gute Ernährung aus. Mit einer optimalen Zusammenstellung der Nahrungsmittel auf energetischer Basis kann während der Wechseljahre die Gesundheit unterstützt werden. Dabei ist für alle Frauen zu empfehlen, in dieser Lebensmitte die eigenen Ernährungsgewohnheiten auf den Prüfstand zu stellen und der wandelbaren Zeit gelassen entgegenzusehen.
„Die Wechseljahre bedeuten nicht einfach das Ende der fruchtbaren Jahre […], die so oft als das Beste im Leben einer Frau angesehen werden. Sie sind die Zeit, in der sich eine Frau um ihre Gesundheit kümmert und die Veränderungen vollzieht, die sie dann durch die zweitbesten Jahre ihres Lebens tragen.“ (Eden/Feinstein 2009, S.239).
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Literatur
Eden, D.; Feinstein, D. (2009): Energiemedizin für Frauen - Donna Eden mit David Feinstein mit einem Vorwort von Dr. med. Christiane Northrup. Kirchzarten/Freiburg: VAK.
Foth, D. (2003): Alternativen zur Hormonsubstitutionstherapie. In: Journal für Menopause, 10(4) (Ausgabe für Österreich) 32-35. Gablitz: Krause & Pachernegg.
Gupta, S. N.; Stapelfeldt, E. (2009): Praxis Ayurveda-Medizin – kaya-cikitsa, Therapiekonzepte für innere Erkrankungen. Stuttgart: Haug.
Gupta, S. N.; Stapelfeldt, E.; Rosenberg, K. (2006): Ayurveda Manualtherapie und Ausleitungsverfahren – Praktisches Lehrbuch. Stuttgart: Haug.
Hauser, G. A. (1999): Häufigkeit der einzelnen klimakterischen Symptome und ihr unterschiedliches Ansprechen auf die Hormonersatztherapie. In: Journal für Menopause, 6 (2) (Ausgabe für Österreich), 44-49, Gablitz: Krause & Pachernegg.
ICD (2010): Diagnoseschlüssel ICD-10-GM-2010 N95.- Klimakterische Störungen ICD10. URL: www.icd-code.de/icd/code/N95.-.html. [31.05.2010].
Northrup, C. (2009): Weisheit der Wechseljahre - Selbstheilung, Veränderung und Neuanfang in der zweiten Lebenshälfte, 4. Auflage. München: Zabert Sandmann.
Rhyner, H. H. (2004): Das neue Ayurveda Praxis Buch – Gesund leben, sanft heilen, 5. völlig neu überarbeitete und erweiterte Auflage. Neuhausen/Schweiz: Urania.
Rosenberg, K. (2004): Das Ayurveda-Praxisbuch für Frauen – Gesund, schön und sinnlich. Baden und München: AT.