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Ergebnisse des MDS-Qualitätsberichts 2007
Jürgen Brüggemann
Leiter des Fachgebiets Qualitätsmanagement Pflege beim MDSKurzfassung
anlässlich des Pflegeforums des MDS „Pflegequalität und Pflegereform – Wie gut ist die Pflege in Deutschland?“ am 11. September 2007 in Berlin
Strukturdaten zu den MDK-Qualitätsprüfungen
In Deutschland gab es Ende 2006 22.126 zugelassene Pflegeeinrichtungen, davon 11.997 ambulante Pflegedienste und 10.129 Pflegeheime. Der zweite Bericht des MDS zur Qualität in der ambulanten und stationären Pflege basiert auf den Ergebnissen von 3.736 Qualitätsprüfungen in ambulanten Pflegediensten und 4.217 Qualitätsprüfungen in Pflegeheimen aus den Jahren 2004 bis 2006.
Die Prüfquote lag im Jahr 2006 bei 18,5 Prozent bundesweit (ambulant 13,5 Prozent, stationär 24,4 Prozent). Allerdings bestehen weiterhin regionale Unterschiede. Häufig wird die Forderung erhoben, der MDK solle mehr unangemeldete Prüfungen durchführen. Bei den anlassbezogenen Qualitätsprüfungen – hier liegt meist eine Beschwerde zu Grunde – betrug der Anteil der unangemeldeten Prüfungen im Jahr 2006 in der ambulanten Pflege 42,2 Prozent und in der stationären Pflege 72,1 Prozent. Bezogen auf alle Prüfarten (Anlass- , Stichproben- und Wiederholungsprüfungen) wurden in der ambulanten Pflege 10,5 Prozent und in der stationären Pflege 56,0 Prozent der Prüfungen unangemeldet durchgeführt. In immerhin 55,4 Prozent der Fälle haben die Medizinischen Dienste die Qualitätsprüfungen gemeinsam mit der Heimaufsicht durchgeführt; 2003 lag der Anteil der MDK-Prüfungen die mit Beteiligung der Heimaufsicht erfolgt sind bei 45,5 Prozent.Qualitätsperspektiven
Bei den Qualitätsprüfungen des MDK stehen die fachlichen und objektiv beurteilbaren Aspekte der Qualität im Vordergrund. Dabei geht es vor allem um den Umgang mit konkreten Pflegeproblemen und um die Erhebung des Pflegezustandes, also um die Versorgungsqualität, die bei den Pflegebedürftigen ankommt.
Daneben bieten die Ergebnisse aus der Befragung der Pflegebedürftigen und ihrer Angehörigen Informationen zu deren Zufriedenheit. Die Zufriedenheitswerte der Pflegebedürftigen liegen mit jeweils über 90 Prozent weiterhin auf einem hohen Niveau. Ein leichter Rückgang ist lediglich in der ambulanten Pflege bei der Frage zu verzeichnen, ob die vereinbarten Leistungen vom Pflegedienst durchgeführt worden sind
(2. HJ 2003 93,0 Prozent, 1. HJ 2006 92,2 Prozent). Hier ist darauf hinzuweisen, dass sich ältere Menschen bei Befragungen tendenziell überwiegend positiv äußern, und dass aufgrund kognitiver Einschränkungen nur ein Teil der Pflegebedürftigen im Rahmen der Qualitätsprüfung befragt werden kann.Ergebnisse
Insgesamt haben sich bei den Prüfergebnissen im Vergleich zum ersten Bericht Verbesserungen ergeben, allerdings zum Teil auf der Grundlage niedriger Ausgangswerte. Besonders bei eher formalen Kriterien
(z.B. Fortbildungspläne) sind die Verbesserungen deutlich. Bei den Kriterien, bei denen es um die direkte Versorgung der Pflegebedürftigen geht, sind die Qualitätsverbesserungen hingegen weniger stark ausgeprägt. Das bei diesen Kriterien erreichte Qualitätsniveau ist sowohl in der ambulanten wie in der stationären Pflege noch nicht zufriedenstellend.Prozess- und Ergebnisqualität
Liegen bei den folgenden Parametern Qualitätsdefizite vor, besteht die Gefahr, dass dies zu Gesundheitsbeeinträchtigungen der Pflegebedürftigen führt:
- Dekubitusprophylaxe und -therapie
Die schlechtesten Ergebnisse werden weiterhin bei der Dekubitusprophylaxe und –therapie erreicht. Bei 64,5 Prozent der Heimbewohner, die in die Prüfung einbezogen waren, entsprach die Dekubitusprophylaxe den gängigen pflegewissenschaftlichen Anforderungen (2. HJ 2003 56,9 Prozent). In der ambulanten Pflege war die Dekubitusprophylaxe bei 57,6 Prozent (2. HJ 2003 50,8 Prozent) in Ordnung.
- Ernährung und Flüssigkeitsversorgung
Hierbei geht es u.a. darum, ob regelmäßige Gewichtskontrollen stattfinden, ob bei einem Ernährungsrisiko oder ungewolltem Gewichtsverlust rechtzeitig geeignete Maßnahmen durchgeführt werden, ob bei einer erforderlichen Sondenkostversorgung eine ausreichende Energieversorgung gewährleistet wird und – wenn möglich – zusätzlich Speisen und Getränke zumindest partiell auch über den Mund angeboten werden. Bei 65,6 Prozent (2. HJ 2003 59,0 Prozent) der Bewohner von stationären Pflegeheimen, die in die Untersuchung einbezogen waren, war die Ernährung und Flüssigkeitsversorgung angemessen, in der ambulantenPflege bei 70,7 Prozent der Pflegebedürftigen (2. HJ 2003 62,8 Prozent).
- Umgang mit Menschen mit Demenz
Annähernd 70 Prozent der in die Prüfung einbezogenen Pflegeheimbewohner, die unter einer Demenz leiden, werden angemessen versorgt (2. HJ 2006 69,6 Prozent, 2. HJ 2003 69,7 Prozent), in der ambulanten Pflege liegt dieser Anteil bei 73,9 Prozent der untersuchten Pflegebedürftigen mit einer Demenzerkrankung (2. HJ 2003 67,3 Prozent). Bei der Qualitätsprüfung erheben die Gutachter u.a., ob die Pflegeeinrichtung die gerontopsychiatrischen Einschränkungen erkannt hat, ob sie pflegerelevante biografische Angaben erhoben hat oder ob eine angemessene Kommunikation erfolgt. Werden diese Kriterien nicht erfüllt, besteht die Gefahr, dass der Abbauprozess bei Demenzkranken beschleunigt wird.
- Inkontinenzversorgung
Bei 84,5 Prozent der in die Prüfung einbezogenen Bewohner von stationären Pflegeeinrichtungen entspricht die Inkontinenzversorgung den aktuellen pflegerischen Standards (2. HJ 2003 79,9 Prozent). In der ambulanten Pflege war die Inkontinenzversorgung bei 78,5 Prozent der untersuchten Pflegebedürftigen (2. HJ 2003 75,2 Prozent) nicht zu beanstanden. Bei diesem Kriterium prüft der MDK zum Beispiel, ob die Pflegeeinrichtungen das Ausscheidungsverhalten der Betroffenen richtig eingeschätzt haben oder ob ungünstige Umgebungsbedingungen als Ursache für die Inkontinenz ausgeschaltet worden sind.
- Pflegezustand
Bei den oben genannten Kriterien handelt es sich um Prozessparameter, die direkten Einfluss auf die Ergebnisqualität haben. Darüber hinaus wird bei der MDK-Qualitätsprüfung der Pflegezustand erhoben. Er bezieht sich auf bereits eingetretene manifeste Versorgungsdefizite. Die Prüfer des MDK beurteilen den Pflegezustand dann als angemessen, wenn bei keinem der zu berücksichtigenden Kriterien ein pflegerischer Mangel vorliegt. Zu den Kriterien, die hier zu berücksichtigen sind, zählen u.a. der Hautzustand, der Mundzustand und die Versorgung mit Sonden, Kathetern und Inkontinenzprodukten. Bei 90 Prozent der Pflegeheimbewohner, die in die Prüfung einbezogen waren, ist nach Einschätzung der MDK-Gutachter der Pflegezustand angemessen (2. HJ 2003 82,6 Prozent), in der ambulanten Pflege liegt dieser Anteil bei 94,3 Prozent (2. HJ 2003 91,2 Prozent). Das Verhältnis dieser Zahlen zu den oben dargestellten Versorgungsprozessergebnissen unterstreicht: Auch bei einem angemessenen Pflegezustand liegen vielfach Defizite in der Prozessqualität vor (z.B. Dekubitusprophylaxe), die zu Gesundheitsgefährdungen führen können.
- Medikamente
In der stationären Pflege wird bei den MDK-Prüfungen auch der Umgang der Pflegeeinrichtungen mit Medikamenten analysiert. Als Beispiel soll der Umgang mit Bedarfsmedikamenten dargestellt werden. Von einem angemessenen Umgang mit Bedarfsmedikamenten wird bei der Qualitätsprüfung ausgegangen, wenn für die Pflegeeinrichtung nachvollziehbar ist, welches Medikament, in welchen Fällen (Symptomen) mit welcher Tageshöchstdosis verabreicht werden soll. Als angemessen beurteilten die Prüfer des MDK den Umgang mit Bedarfsmedikamenten bei 86,1 Prozent der einbezogenen Bewohner (2. HJ 2003 78,2 Prozent).
Qualitätsmanagement
Deutliche Entwicklungen sind im Qualitätsmanagement der Pflegeeinrichtungen im Vergleich zum ersten Bericht des MDS feststellbar. Es fällt aber auf, dass die ambulanten Pflegedienste bei den Werten zum Qualitätsmanagement hinter den Heimen liegen. Während die stationären Einrichtungen bei der formalen Durchführung von internen Qualitätssicherungsmaßnahmen eine Verbesserung von fast 14 Prozent erzielt haben (2. HJ 2003 75,7 Prozent, 1. HJ 2006 89,6 Prozent), lässt sich in den geprüften ambulanten Pflegediensten keine Entwicklung erkennen (2. HJ 2003 71,0 Prozent, 1. HJ 2006 70,9 Prozent). Bei der Anwendung
von Hygienestandards haben sich stationäre (2. HJ 2003 65,6 Prozent, 1. HJ 2006 85,1 Prozent) und ambulante (2. HJ 2003 51,2 Prozent, 1. HJ 2006 72,4 Prozent) Pflegeeinrichtungen verbessert.Soziale Betreuung
Die soziale Betreuung gehört zum gesetzlich vorgeschriebenen und vertraglich vereinbarten Leistungsumfang von Pflegeheimen. Immerhin fast vier Prozent der stationären Pflegeeinrichtungen konnten gar keine Angebote der sozialen Betreuung nachweisen. Bei 70,2 Prozent (2. HJ 2003 66,7 Prozent) der Pflegeeinrichtungen war das Angebot der sozialen Betreuung auf die Bewohnerklientel ausgerichtet. In drei von zehn stationären Pflegeeinrichtungen ist dies noch nicht der Fall, so dass die Betreuungsangebote einen Teil der Bewohner nicht erreichen.
Zertifizierte Einrichtungen
Bessere Qualität hängt nicht davon ab, ob eine Einrichtung zertifiziert ist. Das legen die Ergebnisse des zweiten Pflegequalitätsberichts nahe. Vielmehr ist die Frage entscheidend, ob die Pflegedienstleitung der Einrichtung Qualitätsmanagementinstrumente fachlich qualifiziert und zielgerichtet einsetzt. Pflegeeinrichtungen, die (unabhängig von einer Zertifizierung) Qualitätsmanagementinstrumente nutzen
(z.B. Pflegevisiten), weisen deutlich bessere Werte bei der Versorgungsqualität auf als Einrichtungen, die solche Instrumente nicht anwenden. Die Qualität einer Einrichtung ist daher untrennbar verbunden mit einer gut qualifizierten und engagierten Leitung.MDK-Qualitätsprüfung trägt zur Steigerung der Lebens- und Versorgungsqualität bei
In vielen Fällen hat die Qualitätsprüfung des MDK in Pflegeeinrichtungen einen Qualitätsentwicklungsprozess in Gang gesetzt. Durch die Erhebung des Qualitätsstatus bei der Qualitätsprüfung, die darauf aufbauenden Empfehlungen zur Beseitigung von Qualitätsdefiziten und deren Umsetzung durch die Pflegeeinrichtungen wird ein Beitrag zur Steigerung der Lebens- und Versorgungsqualität pflegebedürftiger Menschen geleistet. Dies sei zum Schluss anhand eines Beispiels aus der Prüfpraxis erläutert, bei dem im Abstand von 13 Monaten zwei Prüfungen durchgeführt worden sind und eine Bewohnerin zu beiden Zeitpunkten einbezogen werden konnte. Diese multimorbide 69jährige Bewohnerin litt u.a. an einem Dekubitus, der auf Qualitätsdefizite der Pflegeeinrichtung zurückzuführen war, und hatte zum Zeitpunkt der ersten Prüfung ein Körpergewicht von 48 kg, weil zu wenig Aufmerksamkeit auf ihre Ernährung gelegt worden war. Nach 13 Monaten war aufgrund der Umsetzung der Qualitätsempfehlungen des MDK bei dieser Bewohnerin der Dekubitus abgeheilt und das Körpergewicht hatte sich auf 63 kg erhöht.
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Pressekontakt:
Medizinischer Dienst
des Spitzenverbandes Bund
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Redaktion:
Christiane Grote
Elke Grünhagen
in Zusammenarbeit mit den Fachgebieten - Dekubitusprophylaxe und -therapie