-
Unzufriedenheit im Job
"Man wird für die Arbeit schließlich bezahlt, und wir sollten froh sein einen Job zu haben" - solche Worte kennen viele Pflegepersonen, wenn aufgrund von Überlastung und Missständen das Gespräch mit der Leitung gesucht wird. Worte, die in Anbetracht der offenen Stellen hinterfragt werden sollten.
Arbeitsplaztsituation
Laut einer AMS Statistik gäbe es derzeit 4655 offene Stellen für das Dipl. Krankenpflegepersonen sowie 2213 Stellen für PflegehelferInnen (AMS Stellen + Printmedien kombiniert). Hinzu kommen laut einer Untersuchung des Ludwig Bolzmann Institutes im Jahr 2003, dass mehr als 30% der Pflegepersonen mehrmals im Jahr daran denken den Pflegeberuf zu verlassen und lediglich 53% zufrieden sind. Um die Drop out Rate zu verringern, sowie einen besseren Arbeitsplatz zu schaffen gibt es neue Führungsansätze. In der Privatklinik –Wehrle, Salzburg, wird versucht die „Lernende Organisation“ innerhalb der Pflege umzusetzen. Das heißt: mehr Mitbestimmung und Vertrauen schaffen Steigerung der Motivation und Engagement.
Alte Strukturen
Aufgrund der Differenzierung (PflegehelferInnen, Ergotherapie, Physiotherapie) der Gesundheitsberufe und deren Professionalisierung entstand im letzten Jahrhundert ein klares hierarchisches System in der Krankenpflege. Die Pflege hat sich im Laufe der letzten Jahrzehnte entwickelt - Führungsstrukturen und deren Ansätze scheinen sich aber kaum verändert zu haben.
Was macht zufriedene MitarbeiterInnen aus?
Wenn es um Wirtschaftlichkeit geht wird von der Pflegeführung gern die Privatwirtschaft erwähnt, an der man sich auch entsprechend orientieren will. In dieser hat man allerdings schon länger erkannt, dass MitarbeiterInnen nur dann gute Leistung bringen können, wenn sie sich entsprechend an ihrem Arbeitsplatz wohlfühlen. Internethersteller Google ist lt. Fortune 2007 zum weltbesten Arbeitgeber der Welt gekürt worden, da er neben super Gehältern auch Kinderbetreuung am Arbeitsplatz, kostenloses Mittagessen, einen Friseur und ein großes Freizeitangebot zur Entspannung anbietet - mal ehrlich das erwartet doch niemand von uns! Aber haben wir nicht zumindest Wertschätzung und Respekt verdient? Und was ist aus unseren Ideen und Ideologien geworden, nachdem wir die Krankenpflegeschule verlassen haben?
-
Neuer Ansatz
Ein neuer Ansatz ist das Konzept der „Lernenden Organisation“ (vgl. Senge, 2006). Dieses Konzept baut auf einen hohen Einbindungsgrad der MitarbeiterInnen auf. Hierarchien sollen abgebaut, die Aufgaben der MitarbeiterInnen erweitert werden. Die fünf Hauptelemente dieses Konzeptes lauten: Gemeinsame Vision erarbeiten, mentale Modelle erkennen und wenn notwendig verändern, Personal mastery wird auf die Bedürfnisse des Einzelnen abgestimmt die Fähigkeiten sollen erweitert werden, der Focus liegt nicht auf der Fehlersuche. Durch Teamlernen wird das Team gestärkt (z.B. über Coaching), Systemdenken hilft uns Zusammenhänge zu erkennen und das Ganze im Blickfeld zu behalten (vgl. Moik, 2006).
Einen guten Coach kann man wie eine/n SporttrainerIn verstehen, er spornt an, versucht die Leistungsfähigkeit zu steigern und Potentiale auszuschöpfen. Der Coach sieht sich in einer beratenden Funktion und soll keine Entscheidungen abnehmen, dafür aber helfen Lösungswege zu finden. Wertschätzung und Vertrauen ist immer die Basis für seine Tätigkeit.
Vorteile
Sowohl Leitung als auch die Pflegepersonen können hierbei massiv profitieren. Stationsleitungen sind weniger in der „Sandwich“-Position, wo sie sich gegen die Pflegedirektion und gegen die StationsmitarbeiterInnen durchsetzen müssen, sondern haben hier die Möglichkeit neue Vorgaben gemeinsam mit dem Team zu besprechen, zu erarbeiten und umzusetzen. Das erhöht die Akzeptanz und das Miteinander. Besonders bei der Effizienz werden hier neue Möglichkeiten offenbart, die Stresssituationen trotz knapper Personalplanung minimieren können. Wichtigster Aspekt ist allerdings das Motivieren und Fördern des Teams, denn eine harmonische Arbeitsatmosphäre ist auch essentiell für eine entsprechend gute Pflegequalität.
„Ich glaube, dass für eine Pflegekraft in einer Leitungsposition die Begeisterung für Pflege die wohl wichtigste Eigenschaft ist. Es ist dies der einzige Weg gegen den Personalmangel in der Pflege anzukämpfen und diese Begeisterung wird andere Pflegekräfte dazu bringen, mit ihrem Beruf zufriedener zu sein – so dass im Gegenzug ihre Söhne und Töchter auch daran denken in den Pflegeberuf einzusteigen“ (Upenieks 2002, S.570)
-
Praktische Ansätze im Krankenhaus
Tagesabläufe erarbeitenIn Teamsitzungen werden Abläufe in der Organisation besprochen und regelmäßig ausgewertet. Alle MitarbeiterInnen äußern hier ihre Erfahrungen, um ein gutes Bild zu haben, wo es vermehrt zu Problemen kommt. Lösungen werden gemeinsam erarbeitet.
- Vorteile: Akzeptanz der Abläufe, Effizienzsteigerung
Dienstplangestaltung: Der Dienstplan wird nicht von der Leitung bestimmt, sondern in einer Teambesprechung gemeinsam gestaltet. Rahmenbedingungen wie die Mindestbesetzung werden vorgegeben. Die Stationsleitung nimmt die Funktion eines/einer ModeratorIn ein und versucht jede/n MitarbeiterIn gleich zu behandeln.
- Vorteile: Stärkt das Miteinander im Team, erlaubt besonders auf die Stärken/Wünsche einzugehen.
MitarbeiterInnengespräche
Nicht MitarbeiterInnen zu bewerten und benoten, sondern auf ihre Besonderheiten, Stärken und Wünsche eingehen. Für Schwachpunkte werden gemeinsam Lösungsstrategien entwickelt.
- Vorteile: Schafft Motivation, berufliche Entwicklungen schaffen Qualität, Fortbildungen finden zielgerichteter statt
Verantwortung abgeben
Durch individuelle Stärken werden Verantwortung und Aufgabenbereiche zugeteilt. Es nützt nichts, wenn eine Person für alles zuständig ist und nicht die erforderliche Motivation und Zeitressourcen dafür besitzt.
-
Literatur
- AMS-Statistik; Arbeitsmarkttrends: URL: http://bis.ams.or.at/qualibarometer/berufsfeld.php?id=212. [05.05.2008].
- (Offene Stellen in Printmedien 2007 und 2006 aus: AMS/MMO; Stellenanzeigenanalysen 2007 bzw. 2006. Offene Stellen AMS 2007 und 2006. aus: AMS Statistik; beim AMS gemeldete freie Stellen, Gesamtjahr 2007 bzw. 2006).
- Fischer-Epe, M.; ;Schulz von Thun, F. (2004): Coaching. Miteinander Ziele erreichen. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt.
- Lashinsky, A. (2007): 100 Best Companies to work for. The perks of being a Googler. In: Fortune, 1-9. http://money.cnn.com/galleries/2007/fortune/0701/gallery.Google_perks/index.html. [20.05.2008].
- Krajic, K.; Nowak, P.; Vyslouzil, M. (2003): Pflegenotstand in Österreich? Diagnosen und Lösungsmöglichkeiten mit einem Schwerpunkt auf Entwicklung der Arbeitsbedingungen. Ergebnisse einer Expertise. Ludwig Boltzmann Institut, Wien. URL: http://www.univie.ac.at/lbimgs/present/19112003.pdf. [20.05.2008].
- Migge, B. (2007): Handbuch Coaching und Beratung. Weinheim: Beltz.
- Moik, C. (2006): Lernen fördernde Strukturen im Krankenhaus, Master Thesis Donau Universität Krems.
- Senge, P.M. (2006): Die fünfte Disziplin: Kunst und Praxis der lernenden Organisation. Stuttgart: Klett-Cotta.