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Abstract
Im Rahmen einer Untersuchung zum Arbeitsablauf und zur Arbeitsbelastung der MitarbeiterInnen am Vitanas Senioren Centrum Patricia (SCP) in Nürnberg nahmen 25 Pflegekräfte einer Station an einer Fragebogenuntersuchung teil. Neben der Erfassung problematischer Themen in den Bereichen Pflegeteam, BewohnerInnen- und Angehörigenkontakte sollten Vorschläge zur Verbesserung der Arbeitssituation abgeben werden. In den Ergebnissen zeigte sich, dass Defizite schwerpunktmäßig in den Bereichen Kommunikation und Organisation bestehen.
EinleitungMitarbeiterInnen in Pflegeheimen sind am Arbeitsplatz einer Vielzahl von Belastungen ausgesetzt. Typische Problemfelder betreffen die Kommunikation zwischen den Arbeitsschichten sowie zwischen Pflegekräften und den BewohnerInnen und deren Angehörigen. Konflikte mit KollegInnen und Vorgesetzten sowie Frustrationserlebnisse durch geringe Wertschätzung der Arbeitsleistung führen zu erhöhter Stressbelastung und beeinträchtigen die Produktivität (vgl. Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege, 2005, 2007; BGW-DAK Stress-Monitoring, 2001). Begleitend kommen Effekte hinzu, die sich aus einem engen Kosten- und Personalrahmen ergeben. Mängel in der Organisation der Arbeitsabläufe führen dazu, dass der zeitliche Rahmen für Gespräche mit den BewohnerInnen eng begrenzt bleibt. Eine weitere Besonderheit des Altenpflegeberufs ist eine permanente Konfrontation mit den Themen Sterben und Tod.
In dieser Studie werden die Ergebnisse einer Fragebogenuntersuchung am Nürnberger SCP dargestellt. Der Fragebogen wurde entwickelt, um spezifische Probleme im Bereich der Kommunikation und Organisation zu ermitteln. Die Ergebnisse der Auswertung wurden zur Entwicklung eines Maßnahmenkatalogs verwendet, um die Arbeitssituation zu verbessern.
Beschreibung des Wohnbereiches
Der Wohnbereich erstreckt sich über 2 Etagen, welche mit einem Aufzug, bzw. einer Treppe miteinander verbunden sind. Beide Etagen sind in ähnlicher „L-förmiger“ Architektur angeordnet und mit je einem zentralen Wohn- und Essbereich, jeweils zwei Pflegebädern, sowie reinen und unreinen Arbeitsräumen ausgestattet. Der größere Teilbereich besitzt Kapazitäten für 42 BewohnerInnen, der kleinere Bereich für 32 BewohnerInnen. Alle Zimmer sind mit einer behindertengerechten Nasszelle inklusive Dusche ausgestattet.
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Personalstruktur
Im Wohnbereich verteilen sich die Vollzeitstellen auf einen Wohnbereichsleiter, 14 Pflegefachkräfte, 17 Altenpflegehelfern/innen und 3 Auszubildende. Die MitarbeiterInnen sind einer festen Gruppe von BewohnerInnen und somit einer Etage zugeordnet.
Pflegestufen der BewohnerInnen
Zum Zeitpunkt der Untersuchung lebten insgesamt 72 BewohnerInnen auf dem Wohnbereich. Vier davon in Pflegestufe 0, 33 in Pflegestufe 1, 24 in Pflegestufe 2 und 11 in Pflegestufe 3.
Material und Methode
Als Methode zur MitarbeiterInnenbefragung wurde ein Fragebogen verwendet, der spezifisch Defizite in der Kommunikation und Kooperation adressierte. Der Fragebogen enthielt vier Fragen mit selektiv offenen Fragestellungen. An der Untersuchung nahmen alle 25 Mitarbeiterinnen teil, die in einem Zeitintervall von einer Woche Dienst hatten. Alle Fragebögen wurden innerhalb dieser Woche zurückgegeben.
Im Fragebogen wurden einfache und gut verständliche Fragen formuliert, um eine Teilnahme von MitarbeiterInnen mit Migrationshintergrund zu gewährleisten. Die Zielsetzung bestand darin, zu erfassen, welche Probleme es im Bereich (1) des Pflegeteams, (2) des Kontakts mit BewohnerInnen und (3) des Kontakts mit Angehörigen gibt. Zusätzlich wurden Vorschläge zur Verbesserung der stationären Situation erfragt.
Um eine möglichst wahrheitsgetreue Bearbeitung zu gewährleisten, wurden die Fragebögen anonym ausgefüllt. Die Auswertung erfolgte durch den Erstautor, der nicht in der Einrichtung tätig ist und keine Kenntnisse der Handschriften besitzt.
Auswertung der Fragebögen
Die Auswertung der Fragebögen erfolgte durch die Festlegung thematischer Schwerpunkte, mit denen die Antworten klassifiziert wurden. Basierend auf den Angaben der MitarbeiterInnen wurden zwei Hauptkategorien (Kommunikation und Kooperation, Information und Organisation) mit jeweils vier Abstufungen gebildet (siehe Tabelle 1).
In der Auswertung wurden alle abgegebenen Antworten einer Kategorie zugeordnet. Ebenfalls wurde eine prozentuale Quantifizierung hinsichtlich der Anzahl der gefundenen Antworten pro Kategorie vorgenommen (siehe Abbildung 1).
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Ergebnisse
In den Ergebnissen zeigte sich, dass am häufigsten Konflikte im Bereich Kommunikation und Kooperation bestehen (55% der Antworten). Davon bezogen sich 17% der Angaben auf Unzulänglichkeiten im Bereich der Kollegialität. Beklagt wurden z.B. ein schlechter Umgangston und fehlender gegenseitiger Respekt untereinander. An zweiter Stelle folgten mit 13% Probleme bei den Angehörigenkontakten, die sich zum Großteil auf übertriebene Erwartungen der Angehörigen an die Pflegequalität bezogen. An dritter Stelle (11%) wurden Defizite im Bereichder MitarbeiterInnenflexibilität angegeben (z.B. Einspringen bei Krankheitsfällen). Die wenigsten Nennungen bezogen sich auf BewohnerInnenkontakte (9%). Im Bereich Information und Organisation (45% der Antworten) wurden vorrangig Probleme hinsichtlich des Informationsflusses angesprochen (17%).
Diese bezogen sich insbesondere auf Informationslücken bei der Dienstübergabe, die durch Teilzeittätigkeit und verkürzte Dienstzeiten resultieren. Weiterhin wurde mit 13% eine zu hohe Arbeitslast durch schlechte Aufgabenverteilung zwischen den Berufsgruppen der Pflege beklagt. An dritter Stelle wurden Defizite in der freiwilligen Übernahme von Pflegetätigkeiten durch beteiligte Berufsgruppen angesprochen (12%). An letzter Stelle wurde ein zu hoher Verwaltungsaufwand kritisiert (9%).
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Diskussion
In den Ergebnissen wird deutlich, dass die MitarbeiterInnen des SCP in besonderem Maße Defizite in der Teamkommunikation und Zusammenarbeit beklagen. Hierzu gehört auch die fehlende Bereitschaft, krankheitsbedingte Engpässe in der Stationsbesetzung zu kompensieren. Des Weiteren werden organisatorische Defizite bei der Schichtplanung beklagt, die zur Einschätzung führen, dass pflegerelevante Informationen bei der Übergabe fehlen. Neben einer ungünstigen Aufteilung der Tätigkeiten zwischen den Berufsgruppen wird auch die Kommunikation mit den Angehörigen als problematisch empfunden.
Die Ergebnisse wurden den MitarbeiterInnen vorgestellt. Anhand der Ergebnisse wurde zusammen mit der Leitung des SCP ein Maßnahmenkatalog entwickelt, der eine kurz- bis mittelfristige Verbesserung der Situation auf der Station ermöglichen soll. Besonderes Augenmerk wurde auf die Verbesserung der Teamfähigkeit gelegt.
Maßnahmen
Folgende Maßnahmen wurden festgelegt:
- Initiierung gemeinsamer Aktivitäten der MitarbeiterInnen zur Förderung eines kooperativen Umgangs (z.B. Besuch eines Klettergartens, Stammtisch)
- Schulung der Führungskräfte im Bereich kommunikative Kompetenz, Personalführung und Förderung von Kollegialität
- Durchführung einer Arbeitsablaufanalyse zur Erstellung eines Tätigkeitsprofils und Erfassung von Arbeitsspitzen in den Schichten
- Neuorganisation der Dienstzeiten basierend auf den Ergebnissen der Arbeitsablaufanalyse
Die Ergebnisse bestätigen den empirischen Kenntnisstand, nach dem der Altenpflegeberuf mit einer Vielzahl psychosozialer Belastungsfaktoren assoziiert ist, die sich in dieser Studie aus der innerbetrieblichen Kommunikation und Organisation der Arbeitsabläufe ergeben. Es ist zu betonen, dass die vorliegende Auswertung die subjektive Einschätzung der MitarbeiterInnen zu einem gegebenen Zeitpunkt wiedergibt. Veränderungen hinsichtlich einer Verbesserung der untersuchten Bereiche erfordern die Durchführung wiederholter Messungen. Der Effekt der beschlossenen Maßnahmen soll deshalb in einer Folgeuntersuchung ermittelt werden.
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Literatur
- BGW-DAK Stress-Monitoring (2001). Überblick über die Ergebnisse einer BGW-DAKStudie zum Zusammenhang von Arbeitsbedingungen und Stressbelastung in ausgewähltenBerufen. Hamburg: BGW.
- Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege - BGW (2007). Sieht die Pflege bald alt aus? – BGW Pflegereport 2007. Hamburg: BGW.
- Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege - BGW (2005). Psychische Belastungen in der Altenpflege. Zusammenfassung verschiedener Studien. Hamburg: BGW.

