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Volkshilfe fordert neue Finanzierung für Pflege

Volkshilfe Österreich fordert die Politik zu nachhaltigem Handeln auf.

Wien (OTS) - "Es braucht einen nationalen Kraftakt für die ältere Generation und alle anderen Pflegebedürftigen, die Regelung der >24Stunden-Pflege< ist ja nur ein kleiner Teil des Problems." so der Bundesgeschäftsführer der Volkshilfe Österreich Erich Fenninger

   Im Rahmen der heutigen Pressekonferenz forderte Fenninger einen Paradigmenwechsel in der Pflegepolitik ein: "Derzeit wird fast ausschließlich finanzorientiert gehandelt, nicht bedarfsorientiert. Wenn wir von dieser neoliberalen Herangehensweise wegkommen wollen, müssen wir uns dazu bekennen, dass das Pflegerisiko in einem Sozialstaat solidarisch getragen wird. Das bedeutet, dass es eine neue, steuerbasierte Finanzierungsform braucht. Das ist die Vermögenssteuer für einen zweckgewidmeten Pflegefonds."

   Mit der entsprechenden Finanzierung können dann bedürfnisorientierte Angebote für die rund 300 000 pflege- und betreuungsbedürftigen Menschen sowie für deren  Angehörigen bereitgestellt werden:

- massiver Ausbau von leistbaren und flexiblen, neuen
   Dienstleistungsangeboten

- Ausbau bzw. die Förderung für mehrere zusammenhängende Stunden
   durch eine Heimhilfe (z. B. Vormittag oder Nachmittag). Die
   Erfahrungen der MitarbeiterInnen aus den mobilen Diensten
   zeigen, dass es eine ernstzunehmende Nachfrage nach derartigen
   Dienstleistungen gibt.

- Nachtdienste und Rufbereitschaft während der Nacht, sowie
   flächendeckender Ausbau von Kurzzeitpflege und Tageszentren als
   Angebot mit flexibel kombinierbaren Einzelelementen.

   Auch alternative Wohnformen müssen ausgebaut werden. Dazu gehören betreubares Wohnen, Pflegefamilien, Hausgemeinschaften, Wohngemeinschaften, Mehr-Generationen-Häuser und vieles mehr. Internationale Trends sind hier Wohnortnahe und kleine Einheiten, Ambulantisierung von stationären Einrichtungen, d. h. gezielter Zukauf von Pflege­leistungen in unabhängigen Einheiten und Wohnformen, die das Wohnen und Leben der BewohnerInnen in den Mittelpunkt stellen (Normalisierung).

   Derzeit entscheiden sich viele Familien mangels Alternative für eine illegale 24-Betreuungskraft, obwohl sie keine Rund-um-die-Uhr-Betreuung benötigen.

   Die öffentliche Förderpolitik konzentriert sich vor allem auf die Umsetzung eines Fördermodells für die bis zu 24h-Betreuung zu Hause, die im Rahmen des Hausbetreuungsgesetzes (HBeG) durchgeführt werden kann. Dieses Arrangement ist jedoch nur für einen kleinen Teil pflege- und betreuungsbedürftiger Menschen hilfreich - und für viele nicht leistbar. Die oben genannten, konkret umzusetzenden Angebote sind ein wesentlicher Beitrag zur Schließung der "Betreuungslücke", die zwischen dem Angebot der mobilen Dienste und der bis zu 24h-Betreuung zu Hause liegt. Daher ist eine Förderung dieser alternativen Unterstützungsarrangements zumindest ebenso notwendig, wie jene für die 24h-Betreuung nach dem HBeG.

   Hinsichtlich der aufgestellten Forderung, dass auch bei der Beschäftigung von selbstständig tätigen Pflegern ein Zuschuss gewährt werden solle, meint Erich Fenninger, "dass die Volkshilfe sich immer dagegen ausgesprochen hat, wichtige soziale Dienstleistungen wie sie Pflege und Betreuung darstellen, einem Markt der Ich-AGs auszusetzen. Gerade hier darf es unter keinen Umständen zu Qualitätsbeeinträchtigungen kommen. Weiters fügt Erich Fenninger an, dass "bei einer Rund-um-die-Uhr-Betreuung  seitens der BetreuuerInnen die typischen Merkmale eines Arbeitsverhältnisses, wie persönliche Abhängigkeit, Weisungsrecht oder die Verpflichtung zur persönlichen Arbeitsleistung vorliegen. Das bringt aus unserer Sicht keine Rechtssicherheit für die Betroffenen."

   Die  von der Volkshilfe Österreich geforderte Gesamtregelung muss so beschaffen sein, dass sie für alle Betreuungs- und Pflegebedürftigen, die eine derartige Leistung benötigen, zugänglich ist. Eine über das Pflegegeld hinausgehende Unterstützung durch die öffentliche Hand ist daher dringend notwendig.

Daten und Fakten:

   Die Volkshilfe ist einer der größten Anbieter von mobilen Betreuungsleistungen in Österreich.

- mehr als 5 000 MitarbeiterInnen arbeiten Österreich weit in
   diesem Bereich.

- mehr als 20 000 Personen werden täglich betreut.

- in Millionen Betreuungsstunden werden Menschen gepflegt, betreut
   und umsorgt.

- die MitarbeiterInnen sind für ihre Aufgaben gut ausgebildet,
   nehmen an regelmäßigen Fortbildungen teil und unterliegen
   internen und externen Qualitätskontrollen.

*** OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT ***

OTS0154    2007-06-18/12:35
 
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