Wien (OTS) – Wenig überraschende Erkenntnisse brachte die heutige Präsentation zweier neuen Studien über den Personalbedarf im Pflegebereich bzw. die künftigen Finanzierungsmöglichkeiten der Langzeitpflege. Für AK Präsidentin Renate Anderl bestätigt sich einmal mehr ihre Forderung nach raschem Handeln: „Der steigende Handlungsdruck angesichts der drohenden Pflegemisere lässt ein weiteres Hinauszögern nicht mehr zu.“ Die Pflegebedarfsstudie der Gesundheit Österreich GmbH bestätigt den wachsenden Bedarf an Pflegepersonen und beziffert ihn mit 75.700 Personen bis 2030 (rund 34.000 Personen zusätzlich durch Zunahme der älteren Menschen und den Ausbau von Pflege und Betreuung zu Hause; 41.500 Personen als Abdeckung von Pensionierungen). Was die Finanzierung für die Langzeitpflege betrifft, setzt sich Anderl für eine steuerfinanzierte, solidarische Finanzierung ein.

Mehr Engagement für die Pflegeberufe
Der Bedarf an qualifiziertem Personal stellt zwei Anforderungen:
Erstens braucht es ausreichend Menschen, die in den Pflegeberufen ausgebildet werden. Und zweitens müssen die Arbeitsplätze so attraktiv sein, dass die ausgebildeten Pflegenden ihren Beruf auch mit Freude langfristig ausüben können und wollen. Für Anderl sind bei beiden Punkten die bisherigen Bemühungen nicht ausreichend.

Bei den Pflegeausbildungen führt kein Weg an einer Erhöhung der Zahl der Ausbildungsplätze vorbei. Kosten für die Ausbildung und den Lebensunterhalt während der Ausbildung dürfen niemanden von einer Pflegeausbildung abhalten. Daher ist die Finanzierung seitens des Bundes sicherzustellen. Wesentlich ist auch eine rasche und österreichweite Umsetzung von Berufsbildenden mittleren und höheren Schulen (BHS) für Pflege- und Sozialbetreuungsberufe, um junge Menschen auf dem Weg in eine Pflegeausbildung nicht zu verlieren. Das Beispiel im niederösterreichischen Gaming zeigt, dass dies machbar ist.

Arbeitsbedingungen verbessern
Für jene, die bereits in den Pflegeberufen arbeiten, muss vor allem der Arbeitsdruck reduziert und die Planbarkeit von Arbeits- und Freizeit gesichert sein. Gute Pflege braucht klare Regeln für die Ermittlung des realen Personalbedarfs pro Schicht und die Sicherheit beispielsweise keine Nachtdienste alleine machen zu müssen. „Die Währung in der Pflege heißt Zeit. Niemand kann Menschen, die sich in außergewöhnlichen Situationen befinden und in der Regel immer langsamer werden, immer schneller pflegen“, betont Anderl. Es braucht daher mehr Zeit und mehr Personal, um sich umfassend um Menschen zu kümmern, die Pflege und Betreuung brauchen. Das alles kostet Geld. Die zukünftige Regierung hat daher alles zu tun, um die Finanzierung guter Pflege sicherzustellen.

Solidarische Finanzierung sichern
Für Personalsicherheit bei den Pflegeberufen gehen Länder und Gemeinden bereits an ihre finanziellen Grenzen. Es muss deutlich mehr Geld als bisher in die Hand genommen werden. Die zukünftige Bundesregierung und allen voran der zukünftige Finanzminister hat seine Rolle in Bezug auf die finanziellen Anforderungen der Pflege zu überdenken. „Sparmaßnahmen an Menschen zu fordern, die pflegen oder die Pflege brauchen, sind unangebracht und unsozial. Das Finanzministerium muss Teil der Lösung sein und darf gerade im Bereich der Pflege nicht zu einem Sparverein degradiert werden“, warnt Anderl. Zukunftsaufgaben sind nur mit mutigem und aktivem Handeln bewältigbar. Darauf muss sich die gesamte neue Bundesregierung verständigen.

Die aktuelle Studie des IHS beleuchtet verschiedene Finanzierungsformen für die Langzeitpflege. Die AK hält steuerfinanzierte Varianten für sinnvoll. „Denn eines muss klar sein:
Solidarisch kann eine Finanzierung nur sein, wenn sie nicht jenen aufgebürdet wird, die im Erwerbsleben stehen. Ein langfristig tragfähiges Finanzierungssystem muss daher breiter aufgestellt sein und auch jene zur Kassa bitten, die es sich leisten können“, fordert Anderl eine Finanzierung aus Steuern auf große Vermögen und Erbschaften.


Originalbeitrag: APA ots 25.11.2019
Presseroom
Foto: