Benachteiligungen von Frauen auf dem Arbeitsmarkt abbauen

Wien (OTS) – „Frauen arbeiten viel zu oft unfreiwillig in Teilzeit mit wenigen Wochenstunden und sind damit auf dem Arbeitsmarkt nach wie vor deutlich benachteiligt“, erklärt Alice Kundtner, Bereichsleiterin für Soziales in der AK Wien und verweist auf jüngste Auswertungen des Arbeitsmarktmonitors des WIFO, mit dem die Arbeitsmarktentwicklung Österreichs im EU-Vergleich dargestellt wird. Die Benachteiligung von Frauen auf dem Arbeitsmarkt in Österreich hat eine primäre Ursache: der EU-weit zweithöchste Teilzeitanteil. Der Grund dafür liegt laut WIFO in fehlenden Kinderbetreuungsangeboten. „Statt hier anzusetzen, setzt die Regierung etwa bei der Lösung des Personalproblems in der Pflege aber lieber auf ArbeitnehmerInnen aus Drittstaaten, indem sie die Einkommensgrenzen bei der Rot-Weiß-Rot-Karte herabsenkt“, kritisiert Kundtner: „Besser wäre es, den Frauen aus der Teilzeitfalle zu helfen und dabei zu unterstützen, mehr Wochenstunden arbeiten zu können und sich für nachgefragte Berufe ausbilden zu lassen.“ Das bedeutet: Unterstützung durch mehr Kinderbetreuungseinrichtungen, mehr Ganztagsbetreuung in Schulen und ein hochwertiges Aus- und Weiterbildungsangebot. Die von der AK durchgesetzte Wiedereinführung des Fachkräftestipendiums etwa ist ein gutes Angebot, aber es braucht noch mehr davon.

Der hohe Anteil an Teilzeitbeschäftigten macht sich auch bei der Arbeitslosigkeit drastisch bemerkbar. So beziehen 90 Prozent der Arbeitslosengeldbezieherinnen ein Arbeitslosengeld unter der Armutsgefährdungsschwelle (1.238 Euro), 60 Prozent liegen sogar unter dem Richtsatz der Mindestsicherung (863 Euro). Für Alice Kundtner braucht es daher dringend einen Ausbau der Unterstützung von Frauen für gute Erwerbskarrieren mit existenzsichernden Einkommen. Völlig in die falsche Richtung gehen daher auch die Ansätze der Sozialministerin bei den arbeitsmarktpolitischen Zielvorgaben. An Stelle von Aufklärungsmaßnahmen über die Auswirkungen von Teilzeit wird das Wahlrecht, ob Frauen ihre Kinder selbst zu Hause erziehen oder Teilzeit bzw. Vollzeit arbeiten, betont. Gleichzeitig wird die langjährige Vorgabe, 50 Prozent der Mittel der Arbeitsmarktpolitik für Frauen zu verwenden, gestrichen, wodurch auch die Finanzierung von wichtigen Maßnahmen – wie etwa die Frauenberufszentren – gefährdet ist.

Die AK fordert daher
+ den Ausbau der Zahl der Kinderbetreuungsplätze für Unter-3-jährige, verbesserte Kinderbetreuungszeiten für Über-3-jährige und Volksschulkinder.
+ die Sicherstellung ausreichender Arbeitsmarktmittel für Frauen und die frühzeitige Unterstützung eines Wiedereinstiegs und die Wiedereinführung der 50 Prozent-Vorgabe.
+ einen Rechtsanspruch auf eine finanziell abgesicherte berufliche Qualifizierung durch die Einführung des Qualifizierungsgeldes.

Rückfragen & Kontakt:

Arbeiterkammer Wien
ChefIn vom Dienst
+43 1 50165 12565
presse@akwien.at
https://wien.arbeiterkammer.at


Originalbeitrag:APA OTS, 2. Mai 2019
Presseroom
Foto:AK Wien