Was sehen Sie als größten Wurf innerhalb der Reform?

Ich halte die Reform insofern für zukunftsweisend als sie einen wesentlichen Beitrag dazu leisten kann, die Krankenpflege an die Anforderungen der Ageing Society anzupassen. Auf der einen Seite wird die Qualität der Pflege durch jene Menschen, die Alltagsarbeit der Pflege unmittelbar leisten, hochwertig abgesichert und wird für diese eine Perspektive zur beruflichen Weiterentwicklung eröffnet. Auf der anderen Seite wird sichergestellt, dass jene Menschen, die Teile des anspruchsvollen ärztlichen Tätigkeitsfeldes übernehmen sollen, gut ausgebildet und durch eine akademische Ausbildung zur Verantwortungsübernahme ermutigt werden. Für überaus wichtig halte ich auch, dass die berufliche Fort- und Weiterbildung flexibilisiert wurde um den spezifischen Einsatzsituationen gerecht zu werden und den Gedanken des lifelong learning umzusetzen.

Welche Herausforderungen ergeben sich für die Praxis?

Zentrale Herausforderung der Praxis wird zunächst sein, ob in den Köpfen der Beteiligten Zuversicht oder Angst Oberhand gewinnen. Es wird notwendig sein, die Chancen der Neuregelung zu sehen und sich nicht aus Furcht vor möglichen Problemen einer Weiterentwicklung zu versperren.

Die Chancen werden nur genutzt werden können, wenn man die Organisationen verändert und an die neuen Berufsbilder anpasst. Auf alle Beteiligten, einschließlich der Ärzte und der Verwaltung kommen dabei große Aufgaben zu: Die Umsetzung der GuKG-Novelle ist nicht alleinige Aufgabe der Pflege, sondern sollte Anliegen aller an arbeitsteiligen Organisationen in der Medizin sein.

Innerhalb der Pflege wird es schließlich von großer Bedeutung sein, eine Kluft zwischen akademischen und diplomierten Pflegepersonen zu vermeiden. Obwohl sie sich in ihrer Ausbildung unterscheiden, haben doch beide die gleiche Berufsbefugnis, sodass kein Anlass besteht, dass Absolventen von Bakkalaureatsstudien auf Diplomierte herabsehen oder sich diplomierte minderwertig fühlen: Jeweils anders aber gleichwertig sollte die Devise sein!


Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Mazal ist Arbeits-, Sozial- und Medizinrechter
www.mazal.at

Foto: pflegenetz/Varadappa