In meiner aktiven Zeit so vor ungefähr 10 Jahren war der Tenor der Experten eindeutig, wir haben das beste Gesundheitssystem, vor allem wenn man den Input und den Output vergleicht, gleichzeitig wurde sehr fest an den Grundlagen gerüttelt und viele Gesundheitsanbieter, aber auch die Kassen waren der Privatisierung des Systems gar nicht abgeneigt, die Einen weil sie die Möglichkeit des Kassierens verspürten und die Anderen, weil es natürlich viel leichter geht einzusparen, wenn man sich nicht der medizinischen Entwicklung stellen muss.

Sehr früh schon hatten das die wesentlichen Proponenten der Kassen erkannt, wenn sie mit den ZahnärztInnen vereinbarten den festsitzenden Zahnersatz aus den Gesamtverträgen herauszulassen, wenn diese versprachen ihnen in der konservativen Zahnbehandlung entgegenzukommen. Das Ergebnis ist klar, heute muss sich jeder Pensionist sein Implantat selber zahlen, was sehr viele vor unüberwindbare Hindernisse stellt und die Abwanderung nach Ungarn fördert.

Doch leider damit nicht genug heutzutage trifft es auch die Gesundheitsleistungen, wenn man zeitgerecht medizinische Hilfe in Anspruch nehmen will, dann vorwiegend privat, kann sich nur nicht jeder leisten und seit Corona ist es noch ärger man muss im Freien vor der Hausarztpraxis warten, wenn man, wie ich, Polyneuropathie hat und nicht mehr stehen kann, ist das existenzbedrohend.

Auch wenn man Diabetiker ist und regelmäßige Blutuntersuchung braucht, hat man in so einem Fall erhebliche Probleme, Termine für Blutuntersuchungen gibt es nicht und ins Spital bei der Ansteckungsgefahr ist fast fahrlässig, wenn man gleichzeitig zur Risikogruppe gehört und (Alter und Vorerkrankungen).

Ein Vorteil wurde allerdings sichtbar, das öffentliche Gesundheitssystem wird nicht mehr so, wie früher angegriffen, ausgenommen durch die selbsternannten Gesundheitsökonomen, die weiterhin den Bettenabbau fordern.

In Vorcoronazeiten musste man für nicht lebensbedrohend aber durchaus nötige Operationen ein Jahr warten, außer natürlich als Privatpatient, während der Krise bekam man gar keine Operationen, außer bei lebensbedrohenden Krankheiten, was jede Menge Folgeerkrankungen mit durchaus möglichem Exitus zur Folge haben konnte.

Allerdings vertrauen würde  ich nicht auf die menschliche Vernunft und die Lehre, die uns Corona gezeigt hat, irgendwann wird die Coronazeit vorbei sein und ich verspüre schon jetzt nicht geringe Schauer auf meinem Rücken, wenn ich an die Kapitalisten denke, die weiterhin das Potenzial einer wirtschaftlichen Nutzung des Gesundheitswesens  als wesentlichen Faktor ihrer Gewinnbestrebungen sehen.

Ist ja klar Gesundheit ist, wie schon vor Anschober  Maria Theresia erkannt hat, der wesentliche Pfeiler einer gesunden Volkswirtschaft, dabei geht es weniger um die Gesundheit des Einzelnen sondern aller. Schließlich kostet ein Öffentliches Gesundheitswesen den Staat erhebliche Summen, während private Unternehmen Steuer zahlen und daher Geld in den Staatssäckel bringen.

Im Gegensatz zu anderen wirtschaftlichen Unternehmen, die abgesehen von persönlicher Begierde keinen offenbaren Nutzen erbringen und nur durch die Werbung an den Mann/die Frau gebracht werden können, ist das Gesundheitswesen für jeden Einzelnen/Einzelner ein notwendiges Gut, dessen Verteilung nicht durch Angebot und Nachfrage geregelt ist, sondern durch angebotsinduzierte Nachfrage, dh. der Anbieter bestimmt die Nachfrage. Dies ist auch der Grund warum Spitäler nach Bedarf durch  die Ambulanzen ihre Stationen regelmäßig befüllen und entleeren können. Trotzdem ist das öffentliche Gesundheitswesen wesentlich effizienter als jeder private Abklatsch desselben.

Günter Flemmich

Fortsetzung folgt …


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