In der heutigen Zeit überwiegt das Individuum. Jeder Bedarf, sei er natürlichen Ursprungs oder künstlich hervorgerufen, wird in der Wirtschaft so weit als möglich befriedigt, davon lebt das System, das so gesehen nur die Natur der Menschen nach immer mehr im Auge hat.

Konrad Lorenz hat vor langer Zeit den Bestand der menschlichen Rasse an diese Urtriebe geknüpft, wenn er davon sprach, dass ein bestimmter Prozentsatz, der Menschen, er nannte damals 3% als das sogenannte Böse zur Arterhaltung notwendig sei, aber in der zivilisierten Welt überschießend ist. Andererseits hat Romano Guardini die heutige Welt als Urwald bezeichnet, den man nur nicht sehe.

So gesehen wird jede Aussage, die einen gemeinschaftlichen Blickwinkel aus anderer Seite im Auge hat, von vornherein eher als feindlich apostrophiert und es werden möglichst schnell Begebenheiten herausgesucht, die den Zweck haben, diesen Menschen zu deskreditieren, auch wenn dafür gar kein Anlass besteht.

Denn schließlich geht es lediglich darum, diejenigen zu unterstützen, die dem westlichen Wirtschaftssystem positiv zugeneigt und als Handelspartner ökonomisch interessant wären.

Wenn das Gesundheitswesen, abgesehen von der Kostenintensität, die nur durch viele Zahler abgedeckt werden kann und das man heute gerne als Gesundheitswirtschaft bezeichnet, nicht einen so guten ökonomischen Aspekt für viele hätte, würde man es mit Menschen, die eine umfassend unentgeltliche Grundversorgung fordern, ebenso machen.

Denn der Hintergrund ist der Gleiche, Gier zur Gewinnmaximierung. Längst ist das Sachleistungssystem der öffentlichen Gesundheitsversorgung in den Hintergrund getreten und jede/r Gesundheitsanbieter/In möchte gerne so viel Cash lukrieren, wie er/sie kann. Gleichgültig ob sich alle, die für die Gesundheitsversorgung mit Beiträgen und Steuern zahlen,  den Arzt, die Ärztin leisten kann.

Dafür werden dann Wartelisten eingeführt und die PatientInnen, die keine Zuzahlungen leisten können, nachdem sie für die Einrichtungen mit ihren Beiträgen bereits Vorleistungen erbracht haben, können warten, während die anderen vorgereiht werden.

Das Individuum mit seinen Forderungen nach besserer und schnelleren Behandlung, fördert daher die Gier der Behandler und erfüllt so das Versprechen der Wirtschaft, ohne die diese gar nicht existieren könnte.

Das nenne ich den Kapitalismus der Seele, der schon in den archaischen Gesellschaften Bestand hatte, um das Überleben zu sichern, der aber die zivilisierte Welt, in der die Überlebenssicherung keine Not hat, umstürzt und zum Barbarismus führt, wo getreu nach Romano Guardini jeder gegen jeden um die bessere Versorgung kämpft.

Die Privatversicherungen haben sich diese Urtriebe zu Nutzen gemacht und versprechen mit mehr oder wenig differenzierten Verträgen die bessere Versorgung zu garantieren, die nach österreichischem Recht gar nicht möglich sein dürfte, da nur die Hotelkomponente versichert werden darf, allerdings hat man mit einer Zusatzversicherung die Wahl des Spitals und daher der angeblich besseren Versorgung, wenn man für die gleiche Leistung noch einmal bezahlt. Obelix würde sagen, die spinnen die Österreicher.

Günter Flemmich.  

Fortsetzung folgt …


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