#meinhard-schiebel bloggt

 
Die Coronakrise stellt seit Wochen weltweit Millionen von Menschen vor enorme Herausforderungen. Gerüchte, Verschwörungstheorien, Wahrheiten und Halbwahrheiten machen es schwer, einen evidenzbasierten Überblick zu bekommen. 
 
Pflegende Angehörige gehören zu jener Gruppe von Menschen, die auch jetzt keine Stimme haben, die noch mehr als je zuvor zu spüren bekommen, was es bedeutet, die oft einzige Bezugsperson zu sein. Und als Bezugsperson für pflegebedürftige Menschen selbst in eine psychische und/oder existenzielle Krise gedrängt zu werden. Die notwendigen und wichtigen Beschränkungen machen ihnen schwer zu schaffen. Sich selbst zu schützen und ihre Außenkontakte einzuschränken, aber auch, um ihre pflegebedürftigen Menschen nicht zu gefährden durch eine „eingschleppte“ Infektion hat sie in eine Isolationssituation besonderen Ausmaßes gedrängt. Zugleich sind immer wieder UnterstützerInnen wie die 24-Stunden-BetreuerInnen ausgefallen oder gemeinsam mit ihnen, wenn sie ihren Turnus verlängert haben, an den Rand eines Burn Outs gekommen. 
 
Dazu haben Tausende pflegende Angehörige, die noch im Erwerbsleben sind, ihren Job verloren, ihre kleinen EPUs oder KMUs zusperren müssen, für Wochen oder womöglich für immer. Eine Einkommensquelle, die ihnen ermöglicht hat, daheim zu pflegen und zu betreuen. 
 
Oder aber ihren Wohnort, ihre Wohnung zu verlassen, um ihre pflegebedürftigen Angehörigen in einem anderen Ort, in einem anderen Bundesland zu pflegen – und mit oft nur geringen Unterstützungsgeldern ihren eigenen Wohnsitz und den Aufwand für die Pflege daheim zu bezahlen. 
 
Oder als pflegende Angehörige ihre Angehörigen in Pflege- und Wohnheimen über Wochen nicht besuchen zu können. Weil sie auch dann immer noch pflegende Angehörige sind, die bis dahin sehr oft fast täglich zu Besuch kommen. Die so notwendigen Maßnahmen der Einrichtungen, um eine eingeschleppte Infektion gerade in ein Pflegeheim zu verhindern, hat viele von ihnen zur Verzweiflung gebracht. Auch dann, wenn sie einsehen konnten, weshalb diese Maßnahme notwendig ist. 
 
Oder sie wußten nicht, wie sie es schaffen sollten, nach einem Krankenhausaufenthalt die Pflegesituation daheim zu schaffen, in dieser schwierigen Lage.
 
Oder ihre behinderten oder chronisch kranken Kinder, die ansonsten in Tagesstrukturen mitbetreut wurden, nun allein daheim zu pflegen, unter besonders schwierigen Umständen. 
 
Die Oder-Liste ist fortsetzbar. Sie wird noch lange nicht zu Ende sein. Zivilgesellschaftliche Initiativen haben ihr Bestes gegeben, um rasch und unbürokratisch zu helfen, wo nur möglich. Das Bundesministerium hat in unermüdlicher Art und Weise versucht, zu helfen, so gut es möglich war. Mit allen Unterstützungsangeboten, die zur Verfügung stehen. 
 
Die Krise ist noch nicht vorbei. Niemand weiß, wie sie sich letztlich auswirken wird, auf uns alle. Sie trifft pflegende Angehörige ganz besonders. Wir werden nicht aufhören, ihre Not und Verzweiflung aufzuzeigen und für sie dazusein. Ehrenamtlich und kostenlos.
Foto: pixabay
Birgit Meinhard-Schiebel (Foto: Johannes Zinner)

Birgit Meinhard-Schiebel

Sozialmanagerin, Präsidentin der Interessengemeinschaft pflegender Angehöriger www.ig-pflege.at

Foto: Johannes Zinner