1.Was sehen Sie als größten Wurf innerhalb der Reform?

Kompetenzbereiche – Ablösung der bisherigen Tätigkeitsbereiche
Die demonstrative Auflistung übertragbarer Maßnahmen gemäß § 15 (4) Kompetenzen bei medizinischer Diagnostik und Therapie, stellt eine Erweiterung zu den bisher, im mitverantwortlichen Tätigkeitsbereich aufgelisteten Maßnahmen, dar.
Diese Erweiterung trägt dazu bei  organisatorische Abläufe und Prozesse durchgängig, im Sinne der optimalen Patientenversorgung, umzusetzen (z.B. die Verabreichung von z.B. Zytostatika  und Kontrastmitteln durch den gehobenen Dienst für Gesundheits- und Krankenpflege).

Spezialisierungen
Mit der erweiterten Auflistung wird dem Spezialisierungsbedarf für die Bereiche Wundmanagement und Stomaversorgung, Hospiz- und Palliativversorgung sowie der Psychogeriatrischen Pflege entsprochen. Erstmals wird auch für diese Bereiche eine Befugniserweiterungen gemäß Ausbildungsniveau festgelegt.

Ausbildungsreform
Die allgemeine Grundausbildung auch für die Kinder- und Jugendlichenpflege und die psychiatrische Gesundheits- und Krankenpflege erleichtert die Personalrekrutierung und Personaleinsatzplanung für diese Bereiche. Durch die im §17 neu angeführten Spezialisierungen sind für weitere Themenfelder Ausbildungen gesetzlich festgelegt worden (Wundmanagement und Stomaversorgung, Hospiz- und Palliativversorgung sowie der Psychogeriatrische Pflege).
Durch die Ausbildung auf FH Niveau ist eine Angleichung an internationale Standards erfolgt. Die Attraktivität des Pflegeberufs wird durch die Ausbildungsreform gesteigert. Mittel- und langfristig ist damit auch eine positive Auswirkung auf die Personalrekrutierung insbesondere für den Krankenhausbereich gegeben.

2.Welche Herausforderungen ergeben sich für die Praxis?
Für die Durchführung „neuer“ übertragbarer Maßnahmen gemäß § 15 (4) Kompetenzen bei medizinischer Diagnostik und Therapie sind Entscheidungen auf Ebene von Fachdirektionen zu treffen,  organisatorische und personelle Rahmenbedingungen sicher zu stellen und notwendige Fortbildungen durchzuführen.
Für die Befugniserweiterungen z.B.  im Bereich Wundmanagement sind interdisziplinäre Abstimmungen und organisatorische Anpassungen zu treffen.
Die erworbenen wissenschaftlichen Kenntnisse, durch die Ausbildung des gehobenen Dienstes für Gesundheits- und Krankenpflege auf FH Niveau, müssen in die Praxis zur Qualitätssicherung einfließen. Dazu sind mittel- bis langfristig organisatorische Maßnahmen festzulegen.
Der Einsatz von zwei Berufsbildern im Bereich der Pflegehilfe bedeutet für die Personaleinsatzplanung und strukturelle Vorgaben (skill grade mix) im Krankenhaus eine organisatorische Herausforderung. Auf Grundlage von  Arbeitsplatzanalysen ist  der Einsatz von Pflegefachassistenz oder Pflegeassistenz  abteilungsbezogen festzulegen.

3.Was sollte demnächst reformiert werden?
Die Ausbildung im tertiären Bereich auf FH Niveau soll künftig auch zu einer Erweiterung eigenverantwortlicher Tätigkeitsbereiche führen ( hier vor allem auch Arztersetzende Tätigkeiten wie z.B. in der Anästhesie!).

Die Ausbildung im tertiären Bereich auf FH Niveau soll künftig auch zu einer Erweiterung eigenverantwortlicher Tätigkeitsbereiche führen ( hier vor allem auch Arztersetzende Tätigkeiten wie z.B. in der Anästhesie!).
Franz Mannsberger, MBA, Pflegedirektor A.ö. Landeskrankenhaus - Universitätskliniken Innsbruck