1)      Was sehen Sie als größten Wurf innerhalb der Reform?
Die GuKG Reform hat wichtige Forderungen aus der Sicht der professionellen Pflege erfüllt, insbesondere die Ausbildung im tertiären Bildungsbereich (z.B. FH) für den gehobenen Dienst der Gesundheits- und Krankenpflege, womit wir den internationalen Anschluss in der Pflegeausbildung formal gefunden haben (inhaltlich ist die Krankenpflegefachausbildung in unseren Schulen ja ausgezeichnet, auch im internationalen Vergleich). Es wurde eine bedarfsgerechte Ausbildungsstaffelung mit der Pflegeassistenz und der Pflegefachassistenz geschaffen, die sowohl für die Gesundheitsorganisationen wesentlich sind (Krankenhäuser, stationäre und ambulante Pflegeeinrichtungen, Hauskrankenpflege), aber auch für die unterschiedlichen Zielgruppen von Berufsinteressierten/Bewerberinnen und Bewerber für Gesundheitsberufen attraktiv ist. Weiters wurde mit der Drei-Stufigkeit im Pflegeberuf attraktive Möglichkeiten in der Personalentwicklung geschaffen, differenziertes Ausbildungsangebot sind bereits geplant und werden zeitnah umgesetzt.
2)      Welche Herausforderungen ergeben sich für die Praxis?
Das Einsatzgebiet und Arbeitsfeld der nunmehr dreistufigen Pflegeberufe sind gut definiert und es gilt nun einen entsprechenden Team-Mix für jede einzelne Betriebsstelle zu finden. Jede Station oder Betriebsbereich hat unterschiedliche Aufgabenstellungen, ein differenziertes PatientInnenklientel mit unterschiedlichen Pflegeerfordernissen und Bedürfnissen, diese Sachverhalte sind das Maß an dem der Team-Mix festzulegen ist. Pauschale Verhältniszahlen können ein grober Rahmen sein, für die Diskussion in den unterschiedlichen Betriebsbereichen sind sie nicht zielführend da es immer vom individuellen betrieblichen Zielsetzung abhängt und das Thema der PatientInnensicherheit in dem Kontext zu berücksichtigen ist. Bei der Festlegung des Team-Mix muss man auch immer mitbedenken, dass aus den festgelegten Personengruppen pro Qualifikationsniveau auch ein solider, arbeitsrechtskonformer und akzeptierter Dienstplan entstehen können muss, auch das ist ein limitierender Faktor.
3) Was sollte demnächst reformiert werden?
Nun, da gibt es noch „Luft nach oben“, wenn man sich die Aufgabenfelder und Kompetenzbereiche der professionellen Pflege in anderen Ländern (z.B. UK, Skandinavien) ansieht.
Die Verordnungskompetenz für Heilbehelfe und Pflegeartikel, aber auch bestimmte Medikamentengruppen muss ausgeweitet werden, insbesondere im extramuralen Versorgungsbereich ganz wesentlich.
Das Aufgabenfeld in der Gesundheitspflege und in der Versorgung chronisch Kranker in den Regionen und Kommunen, aber auch in den Schulen („School Nurse“) muss weiterentwickelt werden.
Aber auch im Krankenhausbereich gibt es noch eine Vielzahl an Erweiterungen in den Kompetenzbereichen, nach entsprechender Ausbildung, wie z.B. in der Anästhesie (Narkosen bis zu einem bestimmten Komplexitätsgrad), aber auch im Endoskopie-Bereich und anderen diagnostisch-therapeutischen Verfahren.

Es wurde eine bedarfsgerechte Ausbildungsstaffelung mit der Pflegeassistenz und der Pflegefachassistenz geschaffen, die sowohl für die Gesundheitsorganisationen wesentlich sind (Krankenhäuser, stationäre und ambulante Pflegeeinrichtungen, Hauskrankenpflege), aber auch für die unterschiedlichen Zielgruppen von Berufsinteressierten/Bewerberinnen und Bewerber für Gesundheitsberufen attraktiv ist.
Dr. Günter Dorfmeister, MBA, Pflegedirektor des Wilhelminenspital der Stadt Wien