#FlemmichSchreibt – Der Supermarkt der Pflege

Gegenwärtig wird über den passenden Einsatz der Roboter im Pflegebereich diskutiert. D.h., wie weit man Pflegepersonal überhaupt ersetzen kann? Ein bestimmendes Element der Diskussion ist sicherlich die Zuwendung, welche eine Pflegeperson schon heute dem Patienten/der Patientin liefern kann und wie weit dies ein Roboter schafft. Böse Zungen behaupten ja: „die Einzige, die mit mir redet, ist die Putzfrau“.

Künftig wird aber vor allem die Frage im Mittelpunkt der Erwägungen stehen, wie weit der Mensch selbst die Roboter in Gang setzen kann, um das Pflegepersonal, das zur Verfügung steht, zu entlasten, da es viel weniger Personen gibt, die diese Tätigkeiten als Hilfspersonen, sprich AssistentInnen mit viel zu wenig Ausbildung, aber einer hohen Verantwortung, durchführen wollen. Daran ist aber die Politik und nicht die gegenwärtige selbst schuld, die Jammergeschreie der Länder haben die ehemalige Bundesministerin, in bewusstem und gewolltem Zusammenwirken mit den Gewerkschaften dazu bewogen, einer zu geringen Grundausbildung für PflegeassistentInnen zuzustimmen. Was Wunder, dass keine/r eine solche Tätigkeit, bei solchem Salär, eigenverantwortlich mit Haftungsfolgen durch die immer komplexeren Tätigkeiten und bei solch ausufernden Arbeitszeiten, gepaart mit weit weniger beruflicher Absicherung, als bisher, durchführen will.

Die Lösung ist schnell gefunden: die Roboter sollen das tun, die muss man zwar kaufen, aber nicht wie Arbeitskräfte bezahlen. Und warum sollen die PatientInnen und zu Pflegende diese nicht selbst bedienen, wie im Supermarkt, dort sparen wir ja auch am Personal, nicht besetzte Kassen, wie bei Tankstellen, sollen die Zukunft sein, ob das den KundInnen passt oder nicht, schließlich müssen sie ja essen und fahren.

Die Probleme sind selbst gemacht, wie bei den ÄrztInnen, früher hat es eine ÄrztInnenschwämme gegeben, daher hat man Einschränkungen beim Zugang zum Studium erfunden, wobei die Kriterien rein intellektueller Natur und nicht sozialer waren und sind. Auf diese Weise erzeugte man Leistungshörige, die, sobald sie mit dem Studium fertig waren, nach lukrativeren Angeboten im Ausland Ausschau hielten und den ursprünglichen ärztlichen Eid der Hilfeleistung gegen Kapitalmaximierung vertauschten. Zurück blieben zu wenige, um die ärztliche Versorgung im Inland zu sichern.

Zur Zeit werden Überlegungen laut, welche die Personenfreizügigkeit einschränken sollen, die Forderungen betreffen das Inland und nicht, wie behauptet, die östlichen Nachbarländer. D.h. meist sind es die Verantwortlichen selbst, aus reiner Gier, die für die Nadelöhre verantwortlich sind. Der Abbau der ÄrztInnenschwemme diente letztlich der Sicherung der ÄrztInneneinkommen.

Zurück zu den Robotern. Solange das Hauptkriterium für Handlungen die Ökonomie ist, wird es überhaupt nie eine ausreichende Versorgung medizinischer oder sozialer Dienstleistungen geben, da soziale Sicherheit niemals mittels ökonomischer Kriterien privatwirtschaftlich zu erzielen ist. Das Prinzip der Knappheit, um die richtigen Preise zu erzielen, lässt sich auf die soziale Sicherheit nicht übertragen und immer haben Organisationen, welche sich auf die Absicherung Schwächerer konzentriert haben, damit keinen ökonomischen Gewinn erzielen können.

In alter Zeit bekamen ÄrztInnen für ihre Tätigkeit Geschenke und keinen Lohn und die Pflege wurde von adeligen Frauen bestritten. Roboter können keine menschliche Zuwendung erzeugen, so sehr sich findige Wissenschaftler auch bemühen. Die menschliche Natur altruistischer Neigungen fehlt und zu gering qualifizierte Menschen können die nötige Qualität nicht erbringen und nur für Schaden sorgen.

Der medizinisch-pflegerische Erfolg besteht zu 70% aus Glauben und Vertrauen an den/die MedizinerIn und PflegerIn und weit weniger als man glaubt aus Big Data. Das ist weder durch Roboter noch durch Unterqualifizierte zu erreichen. Es ist höchst an der Zeit wieder daran zu denken, dass Roboter nur in Gemeinschaft mit der menschlichen Pflege einsetzbar sind und die Ausbildung eine wesentliche Voraussetzung für Qualität in der Pflege darstellt. Nicht die Einsparung oder Übertragung pflegerischer Tätigkeit an PatientInnen und zu Pflegende kann das Ziel pflegerischen Erfolgs sein, sondern, wie auch durch manche PolitikerInnen behauptet, die umfassende Versorgung mit pflegerischen Maßnahmen, auch wenn die Kosten steigen werden.

Fortsetzung folgt …


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Foto: pflegenetz/Varadappa
2018-06-14T09:14:45+00:00 13. Juni 2018|#FlemmichSchreibt, News|