Von Günter Flemmich.

Gelegentlich versuchen einige selbsternannte ProponentInnen die Wahl als Abkehr von der sogenannten Willkommenskultur für Flüchtlinge in Österreich zu deuten, vergessen dabei aber völlig, dass unser gesamtes christliches Selbstverständnis aus der Flucht von Maria und Josef vor der willkürlichen Verfolgung durch Herodes als damalige Staatsmacht abhängig ist.

Was wäre denn aus unserer abendländischen Tradition ohne die christliche Lehre geworden, der inzwischen 1,3 Mrd. Menschen anhängen. Was wäre aus dem Baby Jesus geworden, wenn die Häscher Herodes es aufgespürt und umgebracht hätten?

Dies sollten sich einige überlegen, die in menschenverachtender Weise  die rechtmäßige Ankunft der durch den Krieg gefährdeten Menschen fordern, die ohne Flüchtlingshilfe gar nicht nach Österreich gelangen können und die durch eine neue teile-und-herrsche-Ideologie dadurch Keile in begüterte und weniger begüterte Flüchtlinge treiben wollen, nach dem durchaus zynischen Grundsatz, nur rechtmäßig kommende, d. h. also niemand, kann einen Antrag stellen.

Gerade zu Weihnachten, wo viele ChristInnen zu Kirchen und Krippen pilgern, sollte es uns ein Bedürfnis sein, flüchtenden Menschen zu helfen, anstatt sie aus Eigennutz und politischer Willkür auszugrenzen, nur um damit einige Prozentpunkte in den WählerInnenlisten zu erhaschen.

Im Gegensatz zu dieser, wie ich meine, kleinen Gruppe, sind wir ÖsterreicherInnen ein hilfsbereites Volk und die gegenwärtige Tendenz, die Schwächsten auszuhungern, kann nur vorübergehender Natur innerhalb der letzten 70 Jahre sein.

Einige repräsentative Personen des öffentlichen Lebens, wie der ehemalige Flüchtlingskoordinator, der Wiener Kardinal oder die Caritas stehen hier beispielgebend für die überwiegende stille Mehrheit im Lande, die weniger reden, aber ihre christlichen Werte hochhalten, die hier mit den Füßen getreten werden, denn das ist gutes Christentum.

Christentum kann nicht an der Landesgrenze enden, sondern geht weit darüber hinaus, bis in die fernsten Länder und endet nach Christus nicht am Status und auch nicht an einem fremden Glauben.

Menschen, die gewählt wurden, um Österreich zu führen, haben den Willen des Volkes zu vertreten und nicht ihren eigenen Willen und ein Volk, das überwiegend aus christlichen Menschen besteht, wird kaum gegen den Willen des Herrn handeln.

Daher hat unser Selbstverständnis von der Liebe zum/r Nächsten wenig von einer interpretativen Willkommenskultur, die jederzeit beendet werden kann, sondern mit unserer christlichen Wertehaltung zu tun, die sich am besten im Gleichnis des barmherzigen Samariters offenbart, für den es auch nicht darauf ankommt, wem er hilft, sondern dass er hilft.

Mit Hilfe allein ist es aber nicht getan: entscheidend ist Hilfe zur Selbsthilfe. Daher ist es nötig, denen, die als Flüchtlinge oder MigrantInnen zu uns kommen, die nötigen Instrumentarien zur Verfügung zu stellen, damit sie am Arbeitsmarkt reüssieren können und nicht Lehrlinge, die selbst an ihrer Integration mitwirken, abzuschieben, obwohl wir sie dringend brauchen.

Die Entstehung der Arten nach Charles Darwin wäre ohne Migration gar nicht möglich gewesen. Die einzige Möglichkeit, sich gegen die Wirrnisse des Lebens zu wehren, ist die Vermischung verschiedenartiger Kulturen. Monokausale Kulturen sterben aus, das hat die Menschheitsgeschichte bewiesen und Österreich ist ein gutes Beispiel dafür; der Vielvölkerstaat hat auch nach den Weltkriegen die kreativsten Köpfe hervorgebracht und diese Kultur hat wesentlich zum wirtschaftlichen Erfolg Österreichs beigetragen, auch wenn einzelne das nicht verstehen wollen oder können.

Fortsetzung folgt …


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