Gebundene Hände – wenn Hilfe nicht möglich ist

#meinhard-schiebel bloggt

Krankenhäuser sind eine wichtige Errungenschaft im Gesundheitswesen. In ein Krankenhaus gehen zu müssen, ist für viele Menschen ein gravierender Einschnitt in ihren Lebensalltag. Verbunden mit Befürchtungen und Gefühlen von Ausgeliefertsein, Sorgen, aber auch Hoffnungen, wieder gesund zu werden.

Die Erfahrungen, die Menschen dabei als PatientInnen machen, prägen sich ein und bestimmen sehr oft das eigene Verhalten im Krankenhaus. Sich abhängig zu fühlen von jemandem, dem man Autorität zuschreibt, kann Schutz geben, aber oft genug auch verunsichern. Der eigene Umgang mit Autoritäten und Autorität generell hört an der Krankenhaustüre nicht auf und setzt sich gerade unter stressbedingten Situationen fort.

Immer wieder stehen pflegende Angehörige vor der Situation, dass der Mensch, den sie auch im Krankenhaus weiter betreuen, ein Problem hat, sich bei ihnen beschwert oder über die Ängste spricht. Im Umgang miteinander versuchen sie dann, sich für ihre kranken Angehörigen einzusetzen, um Abhilfe zu schaffen. Jemanden finden, dem sie von den Problemen erzählen können, bei dem sie wiederum Hilfe suchen, damit „etwas besser wird“.

Immer wieder erlebe ich bei solchen Anliegen von pflegenden Angehörigen, dass das Angebot, sich für ihre Anliegen einzusetzen, mit der Bemerkung scheitert „bitte nichts unternehmen, es könnte dann zum Schaden meiner Angehörigen sein und ihre Situation verschlechtern“. Der Versuch, zu erklären, dass es keine negativen Auswirkungen haben wird, dass jede Beschwerde dazu führt, dass sie geprüft wird, um daraus zu lernen und es anders oder besser zu machen, ist schwächer als die vorhandenen Ängste. Auf der Strecke bleiben alle Beteiligten.

Birgit Meinhard-Schiebel (Foto: Christian Anderl)
Foto: pixabay.com/CC0
Birgit Meinhard-Schiebel (Foto: Christian Anderl)

Birgit Meinhard-Schiebel

Sozialmanagerin, Präsidentin der Interessengemeinschaft pflegender Angehöriger www.ig-pflege.at

Foto: Christian Anderl
2018-06-07T16:16:55+00:007. Juni 2018|#meinhard-schiebel bloggt, News|