Gesund bleiben in der Arbeitswelt 4.0

Wien (OTS) – Die Themen Arbeit und Gesundheit sind eng miteinander verknüpft. Die fortschreitende Digitalisierung bedingt einen umfassenden Wandel im Arbeitsleben („Arbeitswelt 4.0“), der durch eine zunehmende Individualisierung und Flexibilisierung sowie psychosoziale Belastungen gekennzeichnet ist. Diesen Herausforderungen zu begegnen, bringt neue gesundheitliche Herausforderungen für die Gesellschaft und Betriebe mit sich.

Workability fördern – „MPOWER“ etablieren

Für mehr Gesundheit am Arbeitsplatz braucht es u.a. Schutz vor schädigenden Substanzen, zum Beispiel durch Rauchen. Grund genug, das Thema Tabakkonsum und gesunde Arbeitsbedingungen unter diesem Aspekt erneut zur Sprache zu bringen, wie gesundheitsbedingte Arbeitsfähigkeit, Workability, tatsächlich beeinträchtigt wird. „Um „Workability“ möglichst aufrechtzuerhalten braucht es persönliche, arbeitsplatzbedingte und gesellschaftliche Anstrengungen. Die Maßnahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung, der Kuration, und der Rehabilitation (auch der sozialen) beinhalten“, sagt Prof. Dr. Thomas Dorner, Präsident der Public Health Gesellschaft in Österreich.

Er führt weiter aus: „Dies beinhaltet auch den Schutz vor schädigenden Substanzen wie Zigarettenrauch.“ Dieser Schutz ist für alle Menschen, ungeachtet ihres Rauchverhaltens nötig. Gemäß letzter Gesundheitsbefragung geben 34% der erwerbstätigen österreichischen Bevölkerung an, regelmäßig Tabakrauch in Innenräumen ausgesetzt zu sein (57% der täglichen RaucherInnen, 32% der GelegenheitsraucherInnen und 23% der NichtraucherInnen). 18% der Erwerbstätigen sind sogar mehr als eine Stunde pro Tag Tabakrauch in Innenräumen ausgesetzt.

Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt sechs Maßnahmen gegen das Rauchen. Diese werden mit dem Akronym „MPOWER“ zusammengefasst und umfassen ein Monitoring, Nikotinentwöhnungshilfen, Werbeverbote, Warnhinweise, und Steuererhöhungen auf Nikotinprodukte. Das „P“ in MPOWER steht dabei für „Protect“, also den Schutz der Bevölkerung vor Rauchexposition. Hierbei gilt es in Österreich noch viel nachzuholen. Um die RaucherInnenprävalenz zu senken benötigt es nicht nur einzelne Maßnahmen, sondern ein Paket an Maßnahmen, die vermitteln sollen, dass Rauchen sozial nicht wünschenswert oder gar etwas Erstrebenswertes ist. Die gesundheitlichen negativen Folgen durch Tabakkonsum sind hinlänglich bekannt. Neben den Krebserkrankungen machen v.a. die Herz- Kreislauferkrankungen einen großen Anteil der Sterblichkeit aus. Analysen basierend auf offiziellen OECD-Zahlen belegen, dass in den Jahren 2000 bis 2014 die Sterblichkeit in Österreich kontinuierlich gesunken ist. Konkret bei den Frauen um 24 % und bei den Männern um 20 %. In neun OECD-Ländern, in denen in der vergleichbaren Zeitspanne ein Rauchverbot in der Gastronomie eingeführt wurde, ist die Mortalität hingegen deutlich stärker gesunken. Bei Frauen im Durchschnitt um 29% und bei Männern um 26%.

Betriebliche Gesundheitsförderung in Österreich

Um für die digitale Ära mit den ständig erweiternden Digitalisierungsprozessen entsprechend gerüstet zu sein, suchen Unternehmen wirksame und kosteneffiziente Gesundheitsförderungsstrategien für eine gesunde Arbeit 4.0.

„Die Betriebliche Gesundheitsförderung ist als dynamisch angelegtes Modell sehr gut geeignet, mit den neuen Herausforderungen der Arbeitswelt 4.0 umzugehen. Diese werden zunehmend auf der psychosozialen Ebene liegen“ erklärt Dr. Klaus Ropin, Leiter des Fonds Gesundes Österreich (FGÖ), ein Geschäftsbereich der Gesundheit Österreich GmbH. Darunter versteht er Phänomene wie Technologiestress, Interessierte Selbstgefährdung, Individualisierung bei neuen Arbeitsformen. Die Betriebliche Gesundheitsförderung (BGF) bietet erprobte Methoden und Antworten um diesem Problem zu begegnen und immer mehr Betriebe setzen auf BGF als moderne Unternehmensstrategie. Im laufenden Jahr 2018 haben bereits 384 Betriebe das BGF-Gütesiegel für die Periode 2018-2020 erhalten, das sind um 124 mehr als im Jahr 2017 (260 Verleihungen). Das auf drei Jahre befristete BGF-Gütesiegel ist das Kernelement des seit 2005 vom Österreichischen Netzwerk Betriebliche Gesundheitsförderung (ÖNBGF) gemeinsam mit dem FGÖ entwickelten und implementierten BGF-Qualitätsmanagementsystems. Das BGF-Gütesiegel ist an 15 Qualitätskriterien geknüpft und an ein standardisiertes Prüfverfahren gebunden.

Vor allem kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) fehlt es an personellen und finanziellen Ressourcen für ein adäquates Gesundheitsmanagement. KMU´s benötigen Unterstützung bei der BGF-Einführung. Diese bietet der FGÖ, der Betriebe durch eine Anstoßfinanzierung bei der Einführung der BGF unterstützt. Die Strategie wirkt: Kleinbetriebe mit einer Belegschaft unter 50 Mitarbeiter/innen sind bei den BGF-Gütesiegelverleihungen im Aufholen begriffen, 193 Gütesiegel fallen 2018 bereits in diese Kategorie.

Neue Gesundheitsförderung für EPUs

Der demografische Wandel unserer Gesellschaft und digitale Trends haben auch Ein-Personen-Unternehmen, EPU, in nahezu allen Arbeitsbereichen geschaffen. Damit verbunden sind veränderte Werte wie auch gesellschaftliche Ansprüche in der Arbeitswelt. Die Flexibilisierung der Arbeitswelt, der Termin- und Zeitplanung sowie der Ortsunabhängigkeit bringen zahlreiche Vorteile, aber auch gewisse Gesundheits-Risiken mit sich.

„Besonders bei Ein-Personen-Unternehmen und Kleinst-Unternehmern, der dynamisch wachsenden Unternehmergruppen, ist Flexibilität im Alltag besonders gefragt. Aktuell sind rund 60 % der Selbständigen Ein-Personen-Unternehmen, 88 % der Unternehmen beschäftigen weniger als 5 Personen“, erklärt Mag. Alexander Herzog, Obmann-Stv. der Sozialversicherung der gewerblichen Wirtschaft. Die SVA verzeichnete im Jahr 2017 60.000 Neuzugänge, eine Vielzahl davon EPUs. Damit verbunden sind veränderte Lebensstile, Werte und Anliegen.

Neues Pilotprojekt: SVA Gesundheitsförderungsprogramm speziell für EPUs

Um dieser Gruppe mit ihren speziellen Bedürfnissen ebenfalls ein passendes Gesundheitsförderungs-Angebot zu machen (Betriebliche Gesundheitsförderungsprogramme wurden bis dato für Betriebe mit mindestens 5 Personen ausgerichtet), startet die SVA ab Sommer 2018 ein Pilotmodell mit dem Titel „Mehr Gesundheit in EPU“. „Damit wollen wir uns künftig noch stärker um die Gesundheit für den Großteil der heimischen Selbständigen kümmern“, führt Alexander Herzog aus.

Das EPU-Projekt ergänzt die bisherigen SVA Gesundheitsförderungsprogramme für alle Selbständigen und Unternehmer – wie z.B. das Vorsorgeprogramm „Selbständig Gesund“ mit 64.000 Teilnehmern jährlich, die SVA Gesundheitswochen, die SVA No-Smoking-Camps, die SVA Gesundheitswochen Burnout-Prävention, das SVA Abnehmprogramm Is(s)t-Gesund, die SVA Aktiv-Camps, die Vorsorge-Aktiv-Camps und die Besser-Essen-Camps.

Foto: SVA/APA-Fotoservice/Tanzer

Mag. Alexander Herzog, Obmann-Stv. der Sozialversicherung der gewerblichen Wirtschaft Christian Lackinger, Leitung Gesundheitsabteilung Sportunion Univ. Prof Dr. Thomas Dorner, Präsident Österreichische Gesellschaft für Public Health, Mag. Dr. Klaus Ropin, Bereichsleiter Fonds Gesundes Österreich

2018-05-19T14:41:11+00:00 22. Mai 2018|News|