Ziele von (Pflege-)Klassifikationen – Welchen Stellenwert haben diese in der Pflege?  

Etwas in Klassen einzuteilen nennt man klassifizieren und das kennen wir aus fast allen Bereichen unseres Lebens. Im Fußball beispielsweise gibt es Klassen, die nach Spielstärke, Alter, Nation und ähnlichem sortiert sind. Bis auf wenige Ausnahmen ist jedes Phänomen (in diesem Fall der Fußballer oder die Fußballerin) einer Klasse zugeordnet. Jede Klasse ist genau definiert, damit alle wissen was sie erwartet. Dass ein Phänomen in mehreren Klassen gleichzeitig auftritt, ist eher selten der Fall und wenn, dann gibt es dafür eine zusätzliche Beschreibung bzw. Achse (multiaxial) innerhalb der gesamten Klassifikation. Jedem Phänomen sind dann noch bestimmte Merkmale und Ausprägungen zugeschrieben. Beispielsweise „Verteidiger links außen“ als Merkmal und „starker linker Fuß“ als Ausprägung in der Klasse „Spielposition“.

Für den Fachbereich der Pflege nennen wir es Pflegeklassifikationen. Das Vorgehen ist aber immer das Gleiche. Es werden Klassen gebildet innerhalb denen wir Phänomene zuordnen und beschreiben können. Wir haben es mit einer Vielzahl von Phänomenen zu tun, die alle in Klassen gepackt sein möchten und auch noch klar voneinander abgrenzbar sein müssen. In einem solch verantwortungsvollen Fachbereich wie der Pflege ist das eine nicht unerhebliche Aufgabe, die es zu lösen gilt. Der Anspruch an eine Pflegeklassifikation ist, den gesamten Wissensstand der Fachdisziplin evidenzbasiert abzubilden. Es muss außerdem dafür gesorgt werden, dass die Inhalte permanent auf dem aktuellen wissenschaftlichen Stand sind. Zusammengefasst kann man die Ziele einer Pflegeklassifikation wie folgt beschreiben:

  • Klassifikationen sollen den Wissensfundus einer Profession repräsentieren
  • Der Wissensfundus eines Fachgebietes soll wissenschaftlich beschrieben und in Klassen und Kategorien geordnet sein.
  • Die Klassifikation soll dazu dienen, die Kommunikation innerhalb eines Fachgebietes für professionelle und wissenschaftliche Zwecke zu fördern (Müller-Staub, 2017).

Wenn das Ziel einer Klassifikation unter anderem jenes ist, den gesamten Wissensfundus einer Profession zu repräsentieren, dann stellt sich hier die Frage: Warum gibt es eigentlich so viele unterschiedliche Klassifikationssysteme? Die logische Schlussfolgerung müsste sein, weil es so viele unterschiedliche Pflegeprofessionen gibt. Da das natürlich nicht stimmt, werden wir die Antwort hier auch nicht klären. In diesem Zusammenhang scheint es aber dennoch sehr wichtig zu sein zu überlegen, welche Kriterien bei der Entscheidung für oder gegen eine Pflegeklassifikation herangezogen werden können.

Wie oben bereits erwähnt, ist es wichtig den gesamten Wissensfundus der Pflege zu klassifizieren. Dazu müssen Pflegediagnosen, Pflegeinterventionen und Pflegeergebnisse evidenzbasiert und eindeutig definiert, standardisiert und kategorisiert werden.

Um bei der Beantwortung der Frage zu unterstützen, welches Pflegeklassifikationssystem das richtige für ihre Einrichtung sein könnte, hier ein kurzer Auszug aus 38 Kriterien, die auf einem Forschungsprojekt von Müller-Staub (2017) basieren und auch in ihrem Buch gut nachzulesen sind:

  • Klassifikation basiert auf einem definierten, pflegerischen Bezugsrahmen (Pflegetheorie)
  • Klassifikation definiert umfassend physiologische, funktionale, psychosoziale und spirituelle Konzepte sowie Umgebungskonzepte
  • Pflegediagnosen enthalten validierte, diagnostische Merkmale/definierte Charakteristika, welche die Unterschiede zwischen den Pflegediagnosen innerhalb einer Klassifikation ermöglichen
  • Anleitung zur Anwendung der Klassifikation liegt vor
  • Internationale Akzeptanz der Pflegeklassifikation
  • Die Klassifikation ist in SNOMED-CT aufgenommen

Ich lade Sie herzlich ein weiter mit mir, aber auch untereinander dieses Thema hier zu diskutieren.

Den Zweiten Teil im Themenfeld „Pflegeklassifikationen“ gibt es in zwei Wochen mit dem Thema: Nutzen von Pflegeklassifikationen – Gründe warum Pflegeklassifikationen in der Praxis wichtig sind.

Literatur:

Maria Müller Staub. (2017). Pflegeklassifikationen : Anwendung in Praxis, Bildung und elektronischer Pflegedokumentation. Hogrefe.


Originalbeitrag:
Pflegeinformatik
Foto: pflegeinformatik.at
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