#meinhard-schiebel bloggt

Bei Tagungen, die den pflegenden Angehörigen gewidmet sind, sehe ich im Publikum in viele Gesichter. Aufmerksame, neugierige Gesichter, aber auch erschöpfte, verzweifelte Gesichter. Sie kommen, um sich Informationen zu holen – oder Rat und Hilfe. Bei der vorsichtigen Frage vom Podium aus, wer von ihnen betroffen sei, kommt keine Antwort, oft nur ein scheues Nicken. Ich bemerke, während ich rede, dass ich die Emotionen der Menschen getroffen habe …

Erst, wenn ich danach im Vorraum stehe, kommen Menschen auf mich zu. Erzählen ihre Geschichte, stellen Fragen, die weit über „wo bekomme ich was“ hinausgehen, brauchen mehr als rasche Tipps. Es sind völlig unterschiedliche Pflegesituationen, in denen sie sich befinden. Oft seit Jahren, oft ohne das Wissen darum, wo sie sich Hilfe holen könnten. Oft an der Bürokratie scheiternd. Oft auch daran scheiternd, dass ihre zu pflegenden Angehörigen jede Hilfe von außen ablehnen. Die Geschichten ähneln einander oft, sind dennoch völlig unterschiedlich – und individuell, weil es Menschen mit ihrer eigenen Geschichte sind.

Das ist der Grund, weshalb ich als Präsidentin der Interessengemeinschaft Pflegender Angehöriger fordere, dass die kostenlosen und so wichtigen „ANGEHÖRIGENGESPRÄCHE“ während der gesamten Angehörigenpflege weitergeführt werden, kostenlos, entlastend, helfend. Weil es um die Emotionen der Menschen geht, die sie rühren, berühren und sie erreichbar sind.

 

 

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Birgit Meinhard-Schiebel (Foto: Johannes Zinner)

Birgit Meinhard-Schiebel

Sozialmanagerin, Präsidentin der Interessengemeinschaft pflegender Angehöriger www.ig-pflege.at

Foto: Johannes Zinner