Jedes einzelne Mitglied der Gesellschaft hat auch Verantwortung für die Gesamtgesellschaft, das gilt besonders für Angehörige des Gesundheitssystems

Wien (OTS) – Der Arbeiter-Samariter-Bund Österreichs und die Österreichische Ärztekammer machen einen neuen Anlauf zum Thema mangelndes Impfbewusstsein. Aufklärung und Motivation sollten dabei im Vordergrund stehen, trotzdem werde man auch nicht um eine Impfpflicht in Österreich herumkommen, wird seitens der Ärztekammer und des Samariterbundes betont.

Erst vor wenigen Tagen sorgte ein neuer Ausbruch an Masern für Schlagzeilen: Nach einem Masernfall in einer Volksschule in Knittelfeld bleibt für 21 Kinder das dreiwöchige Schulverbot aufrecht. Masern führen bei manchen Erkrankten zu einer lebensbedrohlichen Gehirnentzündung.

„Wir werden heuer etwa doppelt so viele Masernfälle wie im Vorjahr haben. Davon sind alle Bundesländer und alle Berufsgruppen betroffen“, betont der Bundeschefarzt des Samariterbunds, Michael Gruska. Masern mache keinen Halt vor niemandem, so wie vor 500 Jahren die Pest vor keinem Halt gemacht habe, so Gruska, der auch daran erinnert, dass die Polioerkrankung – also die Kinderlähmung – weltweit nahezu ausgerottet war und nun wieder im Kommen sei und schon „vor den Toren Europas steht, weil die Impfdisziplin weltweit nachgelassen hat“.

Ähnlich argumentiert auch Ärztekammerpräsident Thomas Szekeres. Er kritisiert, dass die Durchimpfungsrate speziell bei Masern in Österreich viel zu gering sei. Je weniger Menschen aber geimpft seien, umso größer sei das Risiko, dass Infektionskrankheiten, die praktisch ausgestorben waren, wieder aufflammten. „Bei den Masern haben wir in Österreich eine Durchimpfungsrate von 83 Prozent. Notwendig aber wäre eine Rate von 95 Prozent“, sagt Szekeres. Dann nämlich wären auch Menschen geschützt, die nicht geimpft werden könnten, wie etwa Säuglinge oder kranke Menschen.

Dabei sind die Masern und die Kinderlähmung nicht das einzige Problem. Es gehe auch um Mumps, Tetanus, Grippe oder Pneumokokken, wo ebenfalls ein abnehmender Impfschutz in der Gesamtbevölkerung erkennbar sei. Gruska: „Uns ist bewusst, dass das Kapitel Impfpflicht ein sehr heikles Thema ist. Meine persönliche Meinung ist aber, dass wir wahrscheinlich von einer Impfpflicht nicht Abstand nehmen können, weil jedes einzelne Mitglied der Gesellschaft auch Verantwortung für die Gesamtgesellschaft hat. Die größte Gefahr bei abnehmendem Impfschutz in der Gesamtbevölkerung ist ein vermehrtes Auftreten von Epidemien an gefährlichen Infektionskrankheiten – also jene, die auch tödlich enden können wie etwa Masern, Grippe oder Polio.“

Den Angehörigen des Gesundheitssystems komme dabei eine besondere Rolle zu. „Alle Berufsgruppen, die im Gesundheitswesen tätig sind, wie das gesamte Pflege-, Ärzte- und Rettungssanitäterpersonal, aber auch bestimmte Beamte in Gesundheits- und Verwaltungseinrichtungen, sollten einen optimalen Impfschutz haben“, betont Gruska. Er verweist in diesem Zusammenhang auch darauf, dass beispielsweise der Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger für seine nachgeordneten Dienststellen bereits empfohlen hat, nur mehr Personen im medizinischen Betrieb einzustellen, die einen nachweislichen Impfschutz haben.

Wie der Samariterbund plädiert auch die Ärztekammer dafür, die im österreichischen Impfplan vorgeschriebenen Gratisimpfungen verpflichtend zu machen – dies ist auch so im ÖÄK-Forderungskatalog an die zukünftige Bundesregierung angeführt. Gutes Zureden und Aufklärung hätten bisher nicht die gewünschte Wirkung gezeigt. Szekeres: „Man kann die Menschen durch Aufklärungs- und Informationskampagnen informieren, wie es etwa bei der Zeckenimpfung ganz gut gelungen ist. Aber bei Grippe und Kinderkrankheiten wie Masern ist die Infektionsrate im Steigen begriffen – teilweise auch, weil die Menschen nicht wissen, welche schwere Nebenwirkungen und Komplikationen die Erkrankung zur Folge haben kann.“

Hier sei es notwendig, die Durchimpfungsrate anzuheben. Deswegen trete die Österreichische Ärztekammer auch vehement für eine Impfpflicht in Österreich ein. „Das haben wir auch in unserem Forderungskatalog an die zukünftige Bundesregierung so formuliert“, betont Szekeres.


Originalbeitrag: APA OTS 5.12.2019
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