1.            Was sehen Sie als größten Wurf innerhalb der Reform?
Als „größter Wurf“ innerhalb der Reform ist sicherlich die Einleitung zur vollständigen Überführung des gehobenen Dienstes für Gesundheits- und Krankenpflege mit generalistischer Grundausbildung in den tertiären Ausbildungssektor sowie die Verabschiedung vom nostalgischen Begriff „Schwester“ zu nennen. Aber auch die Aufwertung des Berufsbildes der Pflegehilfe und Umbenennung in Pflegeassistenz sowie die Schaffung des Berufsbildes der Pflegefachassistenz haben sicherlich große Auswirkungen auf die Pflegepraxis und ganz allgemein auf das österreichische Gesundheitssystem. Die Erwartungen waren aber sicherlich höher.

2.            Welche Herausforderungen ergeben sich für die Praxis?
Durch die Brille des Pflegemanagements gesehen wird die zentrale Herausforderung einen effektiven und effizienten Skill- und Grade-Mix in der Pflegeorganisation zu entwickeln bzw. umzusetzen. Die nunmehrige Dreiteiligkeit der Pflegeberufe zeigt mehr denn je die Notwendigkeit, je nach Komplexität den Pflegeberuf einzusetzen, der auf der Basis seines gesetzlichen Tätigkeitsprofils am besten dafür geeignet ist. Das muss nicht immer ein/e diplomierte Gesundheits- und Krankenpfleger/in sein.
In diesem Zusammenhang sehe ich weitere Herausforderungen. Zum einen muss darauf geachtet werden, dass sich keine Kluft zwischen akademischen und diplomierten Pflegepersonen bildet – tatsächlich belegen beide Ausbildungswege in der Berufsausübung dasselbe Berufsbild und dieselben Kompetenzbereiche. Zum anderen gilt es die Berufsgruppe der Pflegeassistenz möglichst zügig in die Pflegepraxis zu integrieren. Wesentlich erscheint auch, dass all diese Aufgaben nur dann souverän bewältigt werden können alle Gesundheitsberufe gleich gefordert sind. Grundsätzlich muss der Leitsatz lauten „Wir sind zwar nicht alle gleich, aber gleich wichtig“!

3.            Was sollte demnächst reformiert werden?
Reformbedarf besteht sicherlich noch bei der Schaffung der gesetzlichen Rahmenbedingungen für die vertiefte und erweiterte Pflegequalifikation. Das ist aktuell nur sehr rudimentär abgebildet. International gesehen nehmen Pflegepersonen auf diesem Kompetenzlevel, also im Sinne einer Advanced Practice Nurse, bereits eine nicht mehr wegzudenkende Rolle in der Gesundheitsversorgung ein. Das muss mittelfristig auch in Österreich das Ziel sein. Daher gilt es noch weiter daran zu arbeiten, um hier nicht den Anschluss zu verlieren.

Durch die Brille des Pflegemanagements gesehen wird die zentrale Herausforderung einen effektiven und effizienten Skill- und Grade-Mix in der Pflegeorganisation zu entwickeln bzw. umzusetzen.
Margret Hader, Pflegedirektorin, Uniklinikum Salzburg