Seit Florence Nightingale gilt Pflege als eigenständiger Beruf und nicht mehr als Hilfsberuf für Ärzte. Elisabeth Seidl führte in Österreich das erste Pflegewissenschaftliche Studium ein und damit den Anschluss an ausländische Absolventen. In den anglikanischen Länden wurde die österreichische Pflegeausbildung nicht anerkannt, da dort die Mindestdauer für diesen Beruf üblicherweise mindestens vier Jahre dauerte.

Trotzdem wurde in Österreich bei den letzten Novellen aus Kostengründen eine Pflegeassistenz mit weniger als drei Jahren eingeführt und damit der Hauptteil der Pflege auf relativ unqualifiziert ausgebildete Personen übertragen, teilweise weil die Ärzte auf ihren Hilfsberuf und das im 21.Jhdt. bestanden und die Länder die Kosten für eine qualitätsgesicherte Ausbildung nicht tragen wollten.

Einerseits führt diese begrenzte Denkweise dazu Pflegeberufe im Inland unter Kuratel zu stellen und grenzüberschreitende Bewegungen zu verhindern und andererseits zu einem immer größeren Pflegenotstand, der sich in den  nächsten Jahren zu einem erheblichen Problem steigern wird.

Die manelnde Qualität hat schon vor Jahren zu einem erheblichen Problem in Lainz geführt und immer wieder tauchen Fälle aus der Versenkung, die zeigen, dass Pflegeberufe nicht genug für ihre mannigfaltige Tätigkeit ausgebildet sind.

Es reicht nämlich nicht einige fachkundige Handlungen auswendig zu lernen und unter mangelnder Aufsicht zur Anwendung zu bringen, gefordert ist ein umfassendes Wissen überkörpereigene Abläufe und seelische Zustände ihrer Pflegebefohlenen, Fieberkurven auf eine Tabelle einzutragen und dann zu warten, was der/die ÄrztIn dazu sagt ist zu wenig, in vielen Fällen ist Verständnis und aktive Handlung im Notfall gefordert, die man in einjährigen Schnellsiederkursen nicht erwerben kann. Andere Länder haben das zweifelsfrei erkannt und schon vor vielen Jahren gehandelt. Den Anus zu leeren, wie das manche außenstehende Ahnungslose immer wieder unter vorgehaltener Hand propagieren, weshalb eine höhere Ausbildung nicht nötig scheint, reicht nicht.

Es wird daher nötig sein sich für die Zukunft zu rüsten und Kenntnisse und Erfahrungen anderer Länder in eine neue  Ausbildungsstruktur einfließen zu lassen. Unter vielem anderen ist die Grundsatzfrage, ob es tatsächlich nötig ist die Ausbildungsschienen durch die Länder durchführen zu lassen, die nur an Kostenminimierungen Interessiert sind, oder ob dieser hochqualifizierte Beruf ähnlich anderer Berufe in das allgemeine Bildungssystem Eingang finden sollte.

In Zeiten der Gesundheitswirtschaft, ein Begriff, den ich selber nicht will, der aber immer mehr Form annimmt, wäre das mehr als zeitgemäß, außerdem würde dadurch der Klostermief, der immer noch dazu führt, dass Berufsangehörige im Vergleich zu den Wirtschaftstreibenden zu wenig für ihre Tätigkeit lukrieren können, beendet.

Pflegeberufe dürfen nicht weiter diskriminiert und ins Eck gestellt werden, in Zeiten der Alters und Pflegebedürftigkeit verbunden mit verstärkter Singelausrichtungen  müssen wir uns von der Pflegetätigkeit durch Familienangehörige verabschieden, die im Übrigen vorwiegend als unbezahlte Arbeit durch weibliche Familienangehörige firmiert. Es ist daher  nötig neue Bahnen zu beschreiten.

Es ist aus diesem Blickpunkt nicht einzusehen, warum neue Formen der Ausbildung und Dienstleistung weiter diskriminiert werden. Vordringlich scheinen mir zwei Strategien wichtig: 1.wer bildet in welcher Qualifikation aus und 2. Wer organisiert die Pflegte. Voraus schicken möchte ich dass ich jede Privatisierung auf diesem Sektor ablehne, die Pflege ist Staatsaufgabe und soll es auch bleiben. Aber warum soll nicht eine staatliche Organisation, wie die Sozialversicherung, welche das seit 70 Jahren im Bereich Krankenpflege hervorragend macht, die Pflege organisieren, dazu ist es keineswegs nötig die Finanzierung über Versicherungsbeiträge zu regeln.  Und warum kann die Ausbildung nicht sowohl in der Lehre, als auch in Fachschulen, in Fachhochschulen oder Universitäten erfolgen, ähnliche Regelungen gibt es auch bei anderen Ausbildungen. Eigleisige Ausbildungswege solllten tunlichst vermieden werden, um eine gesunde Konkurrenz in den Pflegheberufen zu erwirken, wenn schon Gesundheitswirtschaft, denn auch Pflegewirtschaft.

Günter Flemmich

Fortsetzung folgt …


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