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947.000 Menschen in Österreich pflegen und betreuen ihre Angehörigen oder Zugehörigen. Nicht berücksichtigt in dieser Zahl sind die ca. 3,5 Prozent Kinder und Jugendlichen, die ebenfalls pflegen und betreuen und bis heute nicht erreicht werden können.

Es hat dringend dieser wichtigen Studie „Angehörigenpflege in Österreich“ bedurft, die das Sozialministerium beim Institut für Pflegewissenschaft (Martin Nagl-Cupal und KollegInnen) und dem Institut für Soziologie (Franz Kolland und KollegInnen) in Auftrag gegeben hat.

Seit Jahren reden wir landauf und landab als Interessengemeinschaft pflegender Angehöriger über die Pflege im Verborgenen, über Menschen, die oft jahrelang, oft unbegleitet, oft auch bis an ihre Grenzen, diese Aufgabe übernehmen und sie nach bestem Wissen und Gewissen erfüllen. Seit Jahren reden wir landauf und landab, dass es nicht vielleicht 400.000 oder 500.000 Betroffene sind, sondern… Nun liegen die Zahlen auf dem Tisch. Und zeigen, dass die pflegenden Angehörigen und Zugehörigen die LeistungsträgerInnen sind, ohne deren Arbeit das Pflegethema nicht zu bewältigen wäre.

Wir, als Interessengemeinschaft pflegender Angehörige sind dankbar dafür, dass wir unsere Forderungen hier bestätigt finden und sie noch um einiges erweitern können. Denn es braucht rasche und umfassende Schritte zur Entlastung und Unterstützung. Angefangen bei der jährlichen Valorisierung des Pflegegeldes und das nicht erst ab Stufe 4, hin zu der besseren finanziellen Förderungen der verschiedenen Unterstützungsmaßnahmen, die immer noch oft genug den Zuschuss aus dem familiären Umfeld brauchen. Weiter geht es zur intensiven Arbeit der Umsetzung der Demenzstrategie in allen Bundesländern, zur erhöhten Aufmerksamkeit für pflegende Kinder und Jugendliche, zur Schaffung neuer alternativer Betreuungsformen, wenn die Pflege daheim nicht mehr möglich ist und, und, und.

Immer noch sind es zu 80 Prozent Frauen aller Altersstufen, die diese Aufgabe übernehmen. Es ist mehr als an der Zeit, sich vom Rollenklischee – dass Frauen selbstverständlich dafür zuständig sind innerhalb des Familiensystems – endgültig zu verabschieden und die Aufgaben gleichberechtigt in den Systemen zu verteilen.

Immer noch kennen nur sehr wenige pflegende Angehörige das ANGEHÖRIGENGESPRÄCH, die Möglichkeit, kostenlos und vor Ort mit einer Psychologin, einem Psychologen über die eigene Situation zu sprechen und sich so Entlastung zu holen. Denn der größte Druck ist, wie man nun nachweisen kann, der psychische Druck. Ängste, Sorgen, Erschöpfung hören nicht an der Haustüre auf und bringen Menschen an ihre Grenzen.

Ein kostenloses Angehörigengespräch kann unter angehoerigengespraech@svb.at oder Tel: 01/79706-2705 in Anspruch genommen werden.

Die Studie kann über das Broschürenservice des Sozialministeriums bestellt bzw. heruntergeladen werden. Sie umfasst 286 wichtige Seiten.

Birgit Meinhard-Schiebel (Foto: Johannes Zinner)

Birgit Meinhard-Schiebel

Sozialmanagerin, Präsidentin der Interessengemeinschaft pflegender Angehöriger www.ig-pflege.at

Foto: Johannes Zinner