#meinhard-schiebel bloggt

 

Und wenn Pflege die pflegenden Angehörigen arm macht?

 

Wenn der Wunsch von pflegebedürftigen Menschen erfüllt wird, daheim zu bleiben, betrifft das alle, die in diesem Umfeld leben. Eines ist die Organisation, wie was gebraucht wird, wer welchen Teil der Arbeit übernimmt, wo Pflege zugekauft werden kann oder soll. Irgendwann sind dann die wichtigsten Punkte geklärt, zumindest scheint es so. Es hat sich nicht viel geändert: es bleiben die Frauen, die die Pflege daheim übernehmen, es bleiben die bürokratischen Erledigungen, die immer wieder notwendig sind. Und es bleibt immer die Frage, was als Nächstes kommt.

 

Das alles ist nach der Abschaffung des Pflegeregresses, der auf das Vermögen der Betroffenen zugegriffen hat, scheinbar leichter geworden. Die Sorge, dass Haus und Hof und Grundstück „geopfert“ werden müssen, ist nicht mehr da. Dass nach wie vor ein ganz persönlicher Teil des Einkommens für die Pflege aber aufgewendet werden muß, das bereitet in der häuslichen Pflege nach wie vor sehr oft Probleme. Weil das Pflegegeld eine Ergänzungsleistung für die Pflege ist und kein voller Ausgleich. Wie man es dreht und wendet, Pflege kann auch zum finanziellen Problem werden.

 

Die Pflegekarenz, die vor allem dort helfen soll, wo pflegende Angehörige ihre Erwerbstätigkeit einschränken oder aufgeben für eine gewisse Zeit, um die erste Zeit der häuslichen Pflege organisieren zu können, ist eine Hilfe, ohne Frage. Das damit verbundene Pflegekarenzgeld zum Ausgleich des Verdienstentganges ist ein wichtiger Bestandteil der Pflegekarenz.

 

Aber gilt das auch für alle? Menschen, die als sogenannte Selbständige gelten – und das sind einige Hunderttausende in Österreich, zumeist in Kleinst- und Mittelbetrieben, können sich nur selbst in die Pflegekarenzzeit schicken. Allerdings mit dem enormen Nachteil, keinen Rechtsanspruch auf das Pflegekarenzgeld zu haben. Ihnen steht nicht einmal für die ersten Monate der Angehörigenpflege diese finanzielle Unterstützung zur Verfügung. Und bringt sie in eine sehr prekäre Lage.

 

Deshalb fordern wir als Interessengemeinschaft pflegender Angehöriger, dass sogenannte „Selbständige“ ebenso wie andere Erwerbstätige einen Anspruch auf das Pflegekarenzgeld haben. Um ihre berufliche Existenz nicht zu zerstören und sie vor Armutsgefährdung zu schützen.

Foto: pixabay
Birgit Meinhard-Schiebel (Foto: Johannes Zinner)

Birgit Meinhard-Schiebel

Sozialmanagerin, Präsidentin der Interessengemeinschaft pflegender Angehöriger www.ig-pflege.at

Foto: Johannes Zinner