Warum tritt das Phänomen Burnout gerade jetzt und vermehrt in unserer industrialisierten Welt auf?

Von Maria Auer.

Das Leben ist in jedem Moment Veränderung, kein Augenblick ist wie der andere! Seit Menschengedenken ist das so, aber noch nie hat der Mensch in technologischer Hinsicht eine derart rasche Entwicklung erlebt. Die Erfindung von motorbetriebenen Vehikeln wie Autos, Flugzeugen und Schiffen ist gerade einmal etwas über 100 Jahre her. Das Radio wurde in den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts in die Haushalte gebracht und das Fernsehen hielt in den sechziger Jahren seinen Einzug. Der Heimcomputer wurde ab 1980 eingesetzt und das Internet fand seine kommerzielle Anwendung ab 1990. Und ständig wird daran gearbeitet, die Menschen noch schneller von A nach B zu bringen oder noch schneller mit Tablets, Notebooks, iPhones und wie diese Geräte alle heißen, zu erreichen. Hinzu kommen die wirtschaftlichen Strukturen, in denen es um immer mehr Wachstum, Produktivität und Output in Form von höheren Gewinnen geht. Zusätzlich verändern sich Eigentumsverhältnisse und damit Strukturen in Firmen und Organisationen in immer kürzeren Abständen. Auch Non-Profit-Organisationen sind davon betroffen, weil immer weniger Mittel zur Verfügung stehen und Strukturen gestrafft und verändert werden müssen.

Das alles macht den Menschen schwer zu schaffen, versetzt sie in Stress und sie fühlen sich überfordert und bedroht. Kraftreserven zur Bewältigung persönlicher Schwierigkeiten oder Krisen sind de facto kaum mehr vorhanden. Kein Wunder, dass immer mehr Menschen „ausbrennen“. Dies betrifft vor allem jene, die von Grund auf sehr begeisterungsfähig sind („brennen“). Der Pflegebereich, wo Menschen gerne für Menschen da sind, ist hier besonders betroffen, weil hier oft auch noch intensive Gefühle und persönliche Betroffenheit hinzukommen.

Meine persönliche Empfehlung:

Verschaffen Sie sich bewusst Auszeiten von Handy, Laptop und Co. Nehmen Sie sich bewusst jeden Tag Zeit für sich alleine, auch wenn es nur kurze Zeiträume sind. Genießen Sie einen Spaziergang in der Natur oder eine kleine Meditation an einem ruhigen Ort. Beginnen sie kleinweise und steigern Sie langsam dieses Ritual: „Zeit nehmen für sich selbst“. Jeden Tag, jede Woche ein bisschen mehr. Wenn möglich immer zur gleichen Tageszeit und machen Sie es regelmäßig, bis es für Sie selbstverständlich wird. Bedenken Sie, wie lange man einem Kind zureden muss, damit es sich jeden Tag die Zähne putzt. Es braucht 66 Tage damit neues Verhalten zum Automatismus wird. Probieren Sie es aus – es zahlt auf Ihr persönliches „Glückskonto“ ein.

Im nächsten Artikel lesen Sie über verschiedene Menschentypen und warum manche Menschen anfälliger für Burnout sind als andere.

Quellen- und Literaturangabe: Maria Auer, AV Akademiker Verlag (2013): Burnout – chice Modekrankheit oder ernsthafte Bedrohung?

Maria Auer, diplomierte Lebens- und Unternehmensberaterin, arbeitete 30 Jahre als Führungskraft im Bankenwesen. Nach positiver Verarbeitung eines schweren Schicksalsschlages beschloss sie, ihr Leben grundlegend zu verändern und stieg aus dem „System“ sehr bewusst aus. Heute inspiriert sie, als Rednerin auf Bühnen, als Buchautorin und als Coach, Menschen, mehr (Selbst)-Bewusstsein und damit mehr Selbstbestimmung in ihr Leben zu bringen um letztendlich erfolgreich und glücklich zu sein.
Kontakt: maria.auer@chancenmanufaktur.at
Informationen: www.chancenmanufaktur.at