Wer bin ich? Wieso bin ich so? Wie tickt der/die andere? Unzählige Fragen, die die Menschen immer schon beschäftigten. Einer der Pioniere in Sachen Persönlichkeitsmodelle war W.M. Marston (1928), er entwickelte das „Vier-Typen-Modell“. Dieses kann helfen, das Gegenüber besser einzuschätzen und zu verstehen. Vor allem für Führungskräfte kann es hilfreich sein, um Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ihren Fähigkeiten entsprechend einzusetzen. Aber auch in der Achtsamkeit mit Über- oder Unterforderung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern kann es ein wichtiger Input sein. Denn Führungskräfte haben nicht nur die Verantwortung, ein Unternehmen ertragreich zu führen, sie tragen auch eine hohe soziale Verantwortung Menschen gegenüber.

Das Modell ermöglicht es, sich selbst und andere besser kennen zu lernen und auf die eigenen wie auch auf die Bedürfnisse von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern besser eingehen zu können.

Die Dominanten oder auch Macherinnen/Macher genannt:

Die „Macherinnen/Macher“ zeichnet ein sachliches und extravertiertes Verhalten aus. Sie orientieren sich an Zielen und Resultaten. Sie konzentrieren sich auf das Handeln und auf das „Was“. Sie lieben Herausforderungen und reagieren rasch auf Veränderungen. Für die „Macherinnen/Macher“ zählen Fakten und Taten. Sie kommen gerne schnell zum Punkt und faseln nicht lange herum. Sie treten sicher und selbstbewusst auf, sind zielstrebig und voller Energie und können andere gut motivieren. Die „Macherinnen/Macher“ übernehmen gerne Verantwortung und haben gerne das Steuer in der Hand. Sie schmieden gerne Pläne, die andere dann ausführen dürfen. Dafür nehmen sie fast jedes Risiko in Kauf. Sie brauchen Beteiligung an Entscheidungen, Resultate sowie Respekt und Verantwortung.

Die AnalytikerInnen oder auch Gewissenhafte genannt:

AnalytikerInnen sind sehr sachlich, introvertiert, gute Beobachter und haben einen scharfen Verstand. Sie ziehen sich gerne zurück und meiden zu viele Menschen. Wichtig für sie ist das „Warum“ und dazu brauchen sie Zahlen, Daten, Fakten und Zeit um nachzudenken und zu analysieren. Sie bereiten sich gerne vor, sind dabei methodisch und strukturiert. Sie reden wenig und in mäßigem Sprechtempo. Sie wägen Alternativen sorgfältig ab und bleiben ihren Zielsetzungen treu. Sie brauchen Ordnung, Struktur und Stille zum Arbeiten.

Die Ausdrucksvollen oder auch Kommunikative genannt:

Sie legen ein emotionales und extravertiertes Verhalten an den Tag. Für sie ist das „Wer“ wichtig, deshalb orientieren sie sich an anderen Menschen. Sie sind emotional, initiativ, mitreißend und man unterliegt leicht ihrem Charme. Sie wissen sich in Szene zu setzen und verstehen es gut zu delegieren. Ihre grundsätzliche Haltung ist offen, optimistisch und mit Neuem können sie sehr gut umgehen. Sie können Andere gut motivieren, aber sie lassen sich auch selbst motivieren. Sie brauchen klare Vorgaben, Kontrolle und viel Anerkennung, Spaß, Humor und Action bei der Arbeit.

Die Ausdauernden oder auch Verlässliche genannt:

Sie zeigen ein emotionales und introvertiertes Verhalten. Für Sie ist Stabilität und Zusammenarbeit sehr wichtig. Sie konzentrieren sich auf das „Wie“ und sind eher ruhig, bescheiden und hilfsbereit. Sie sind sehr warmherzig und man kommt gut mit ihnen aus. Sie legen viel Wert auf ein harmonisches Arbeitsumfeld, gehen Problemen aus dem Weg und können kaum nein sagen. Sie arbeiten gerne im Team und teilen sich Verantwortung gerne mit Anderen.

Natürlich gibt es die einzelnen Typen kaum in Reinkultur, aber wenn Sie ihre Eigenschaften kennen und genau hinsehen, so werden Sie Tendenzen feststellen können und dies hilft Ihnen beim Einsatz Ihrer MitarbeiterInnen und Ihnen in der Wahrnehmung Ihrer sozialen Verantwortung.

Stress und Burnout trifft oft, aber nicht nur, Menschen die hohe Anteile der „Verlässlichen“ in sich tragen. Es sind Menschen die allen alles recht machen möchten und nichts falsch tun wollen um Anerkennung zu bekommen.  Sie sind harmoniebedürftig, können nicht nein sagen und haben in der Kindheit meist verhaltensabhängige Belohnungen bekommen. Diese Menschen sind sehr beliebt, denn man kann ihnen viel auftragen und sie werden nicht nein sagen, weil sie niemanden enttäuschen möchten und keinesfalls versagen wollen. Und so gleiten sie, ohne es zu merken immer tiefer in die Stress- und Burnout Falle hinein.

Meine persönliche Empfehlung:

Schauen Sie hin, wenn Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die immer verlässlich waren, sich verändern und vielleicht öfter etwas vergessen, Fehler machen oder unpünktlich werden. Sie machen das nicht absichtlich oder freiwillig, sie könnten sich bereits in Phase vier von zwölf definierten Burnout-Stufen befinden und bemerken es selbst nicht.

In meinem nächsten „Wenn die Uhr tickt- Artikel“ berichte ich über die zwölf Phasen des Burnout. Ich freue mich, wenn Sie wieder mit dabei sind.


Quellen- und Literaturangabe:
William Moulton Marston (1928): Emotions of Normal People, New York Harcourt
Maria Auer (2013): Burnout – chice Modekrankheit oder ernsthafte Bedrohung? AV Akademiker Verlag

Maria Auer, diplomierte Lebens- und Unternehmensberaterin, arbeitete 30 Jahre als Führungskraft im Bankenwesen. Nach positiver Verarbeitung eines schweren Schicksalsschlages beschloss sie, ihr Leben grundlegend zu verändern und stieg aus dem „System“ sehr bewusst aus. Heute inspiriert sie, als Rednerin auf Bühnen, als Buchautorin und als Coach, Menschen, mehr (Selbst)-Bewusstsein und damit mehr Selbstbestimmung in ihr Leben zu bringen um letztendlich erfolgreich und glücklich zu sein.
Kontakt: maria.auer@chancenmanufaktur.at
Informationen: www.chancenmanufaktur.at