In diesem Artikel möchte ich Ihnen die 12 Stufen des Burnouts nach Herbert Freudenberger näherbringen. Der Psychoanalytiker hat bereits 1974 den Begriff „Burnout“ eingeführt und die Merkmale dazu beschrieben, die bis heute in Fachbeiträgen und Diskussionen Anwendung finden.

Von Maria Auer.

Immer mehr Menschen sind heute vom Burnout betroffen. Die Tageszeitung derStandard berichtete im Februar 2017, dass laut einer Studie der Allianzversicherung bereits jede/r vierte ÖsterreicherIn auf ein Burnout zu steuert. Nur wenn wir wissen, wie sich Burnout äußert, ist es möglich, Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Die 12 Stadien des Burnouts von Freudenberger sind ein hilfreicher Ansatzpunkt um ein Burnout zu identifizieren und gegenzusteuern:

Stadium 1 – Der Zwang sich zu beweisen:
Der Beruf, die Tätigkeit wird mit großem Engagement und Enthusiasmus ausgeübt. Man identifiziert sich über das normale Maß mit dem Beruf und dem Unternehmen, für das man arbeitet. Aus gesundem Tatendrang wird übersteigerter Ehrgeiz und das Streben wird zum Zwang.

Stadium 2 – Verstärkter Einsatz:
Man hat das Gefühl, alles selbst machen zu müssen um nicht die Kontrolle zu verlieren. Es fällt einem schwer zu delegieren, denn man selbst kann es am besten und würde man auch nur ein Stückchen abgeben, könnte man an Ansehen verlieren.

Stadium 3 – Vernachlässigung der eigenen Bedürfnisse:
Man ist sich selbst nicht mehr so wichtig. Termine oder Dinge, die für einen persönlich zu erledigen sind, werden vergessen oder aufgeschoben. Man vergisst Jahrestage, Geburtstage von Freunden und empfindet die kleinen Freuden des Lebens zusehends als Störungen.

Stadium 4 – Verdrängung von Konflikten und Bedürfnissen:
Man verdrängt den inneren Konflikt und die eigene Unausgeglichenheit. Die Logik sagt einem bereits, dass man einen Schritt zurück treten müsste, aber Signale wie Schlafstörungen, Energiemangel, Erkältungen, etc. werden einfach übergangen.

Stadium 5 – Umdeutung von Werten:
Charakteristisch für dieses Stadium ist die Umdeutung von Werten – war das Wochenende früher „heilig“, heißt es nun: „ich habe jetzt viel zu tun“ oder „ich habe jetzt wenig Zeit für Freunde…“.

Stadium 6 – Verstärkte Verleugnung der aufgetretenen Probleme:
Körperliche Warnsignale machen sich verstärkt bemerkbar. Permanente Müdigkeit, Kopfschmerzen, Verspannungen sind an der Tagesordnung. Jegliche Kommunikation wird immer schwieriger und man zieht sich immer mehr in sich selbst zurück.

Stadium 7 – Rückzug:
Man spürt, dass man nicht mehr so intensiv arbeiten kann und Orientierungs- und Hoffnungslosigkeit machen sich breit. Man hat Angst mit anderen darüber zu sprechen und wird zynisch und eigenbrötlerisch. In dieser Phase besteht große Gefahr, dass man sich mit Alkohol oder anderen Drogen „tröstet“.

Stadium 8 – Verhaltensänderung:
Man ist telefonisch und persönlich nur mehr schwer zu erreichen und meidet den Kontakt mit KollegInnen und KundInnen. Man geht nicht mehr aus und verkriecht sich vollends in sein „Schneckenhaus“. Andere bemerken die Veränderung, aber gesunde Kritik oder besorgtes Verhalten wird als Beleidigung empfunden und abgeschmettert.

Stadium 9 – Verlust des Gefühls für die eigene Person:
Logik und Verstand sind abhanden gekommen. Man hat kein Gefühl mehr für eigene Bedürfnisse. Warnungen des Arztes/der Ärztin überhört man oder vergisst sie einfach, denn wiederum ist die Arbeit wichtiger als alles andere und man muss funktionieren.

Stadium 10 – Innere Leere:
Das Gefühl von Ausgezehrtheit, Nutzlosigkeit und Erledigt-Sein greift um sich. Die entstandene Leere wird oft durch Alkohol-, Drogen- und Sexmissbrauch zugedeckt. Phobien oder Panikattacken sind in diesem Stadium keine Seltenheit.

Stadium 11 – Depression:
Verzweiflung und Erschöpfung sind die vorherrschenden Gefühle in diesem Stadium. Das Selbstwertgefühl schwindet und Selbstmordgedanken können auftauchen. Es kann auch sein, dass man sein Äußeres vernachlässigt und man sich nicht einmal mehr aufraffen kann, um Essen einzukaufen.

Stadium 12 – Völlige Burnout-Erschöpfung:
Das ist der Höhepunkt eines Burnout, nichts geht mehr! Die geistige und körperliche Erschöpfung in Stadium 12 ist lebensgefährlich. Das Immunsystem kann angegriffen sein und man ist anfällig für Krankheiten, beginnend von Herz- Kreislauferkrankungen bis hin zu Magen-Darm-Krankheiten.

Diese Merkmale müssen natürlich nicht genauso oder in dieser Reihenfolge auftreten, der Prozess des Burnouts ist je nach Person sehr individuell. Auch wenn ab und zu eines dieser Anzeichen auftritt, muss man sich noch keine Sorgen machen, aber wenn Sie bei sich oder Ihren MitarbeiterInnen oder KollegInnen mehrere dieser Anzeichen über einen längeren Zeitraum orten, dann ist es an der Zeit, das Thema konkret anzusprechen und „sichtbar“ zu machen. Spätestens ab Phase 7 sollte ein Arzt/eine Ärztin und/oder ein Psychologe/eine Psychologin hinzugezogen werden.

Nur frühzeitige Erkennung kann Mensch und Organisation vor großem Schaden bewahren. Burnout kann durch Präventivmaßnahmen verhindert werden, beziehungsweise kann in den einzelnen Stadien gegengesteuert werden. Wenn Sie wissen möchten wie, dann lesen Sie mehr darüber in der nächsten Ausgabe!


Quellen- und Literaturangabe:
Maria Auer, AV Akademiker Verlag (2013): Burnout – chice Modekrankheit oder ernsthafte Bedrohung?
Herbert Freudenberger und Gail North, 13. Auflage 2011, Fischer Taschenbuchverlag, Burn-out bei Frauen. Über das Gefühl des Ausgebranntseins

Maria Auer, diplomierte Lebens- und Unternehmensberaterin arbeitete 30 Jahre als Führungskraft im Bankenwesen. Nach positiver Verarbeitung eines schweren Schicksalsschlages beschloss sie ihr Leben grundlegend zu verändern und stieg aus dem „System“ sehr bewusst aus. Heute inspiriert sie, als Rednerin auf Bühnen, als Buchautorin und als Coach, Menschen mehr (Selbst)-Bewusstsein und damit mehr Selbstbestimmung in ihr Leben zu bringen um letztendlich erfolgreich und glücklich zu sein.
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