Nachdem wir uns in den letzten Artikeln ausführlich damit befasst haben, wie Burnout zustande kommt, wen es eher trifft und welche Auswirkungen es hat, möchte ich Ihnen in diesem Artikel Möglichkeiten aufzeigen, wie Sie dem Burnout entgegenwirken können.

Von Maria Auer.

Der Psychoanalytiker Freudenberger hat zu seinen „12 Burnout-Stufen“ Sofortmaßnahmen entwickelt, die ich Ihnen in einer verkürzten Version darstellen möchte:

12 Sofortmaßnahmen bei Burnout

1 Machen Sie sich Ihre zwanghaften und vielleicht selbstüberfordernden Denk- und Verhaltensmuster klar. Versuchen Sie, Ihr Tempo auf Ihren eigenen, natürlichen Rhythmus abzustimmen.

2 Delegieren Sie Aufgaben und damit einhergehend Verantwortung an andere. Es mag Ihnen am Beginn schwer fallen, aber Sie werden langfristig erleichtert sein und weniger Stress haben. Es durchbricht den Drang zu noch höherem Einsatz.

3 Versuchen Sie, Ihre Verleugnungsmechanismen zu erkennen und zu durchbrechen. Erstellen Sie eine Liste der versäumten Aufgaben und arbeiten Sie sie nacheinander ab. Achten Sie auf Ihre Ernährung und auf Ihr Ruhe- und Pflegebedürfnis. Verwöhnen Sie sich selbst und versuchen Sie, Ihren Sinn für Humor wiederzugewinnen, ohne ihn als Verleugnungsinstrument zu benutzen.

4 Weisen Sie Kolleginnen und Kollegen, Freundinnen und Freunde und Familienmitglieder nicht ab, wenn Sie warnende und gut gemeinte Worte sprechen. Werten Sie diese als Zeichen der Besorgnis. Nehmen Sie sich Zeit zur Selbstreflexion und strapazieren Sie Ihre geistige, körperliche und emotionale Widerstandskraft nicht noch mehr.

5 Überprüfen Sie Ihre Grundwerte und schreiben Sie sich auf, wer und was Ihnen wichtig ist. Versuchen Sie, alte Verbindungen wieder aufleben zu lassen. Es ist entscheidend, dass Sie Einsamkeit und Isolierung vermeiden. Ohne Rückmeldung kreisen Ihre Gedanken nur immer um sich selbst.

6 Wenn Ihre Sprache vor Zynismus und Bitterkeit strotzt, nehmen Sie es als Zeichen von Burnout und nicht als Zeichen von Realität. Übernehmen Sie keine weiteren Aufgaben mehr und sprechen Sie mit anderen Menschen über Ihre Gefühle.

7 Lassen Sie die Finger von Alkohol und Drogen, es sind die falschen „Therapeuten“ und sie helfen Ihnen nur kurz, um Sie dann noch tiefer gleiten zu lassen. Reden Sie mit jemandem, der schon früher einfühlsam war oder nehmen Sie professionelle Hilfe in Anspruch. Sie brauchen Ruhe und können noch umkehren wenn Sie wollen.

8 Sie stehen am Scheideweg! Kapseln Sie sich nicht ab sondern HÖREN SIE AUF ANDERE! Lassen Sie andere an sich heran und hören Sie, was Sie sagen. Lösen Sie sich von Ihrem Kontrollbedürfnis und hören Sie auf sich noch stärkere Restriktionen aufzuerlegen.

9 Wenn Sie den Kontakt zu sich selbst und anderen verloren haben, gibt es trotzdem Hoffnung! An dieser Stelle sollten Sie unbedingt einen Beratungs-Spezialisten bzw. Spezialistin und einen Internisten bzw. eine Internistin aufsuchen, um Ihren Gesundheitszustand überprüfen zu lassen. Wahrscheinlich müssen Sie sich für eine Weile zurückziehen, um sich um Ihre Gesundheit zu kümmern. Vielleicht wollen Sie Ihren Lebensstil umgestalten und nach Alternativen suchen – das braucht Zeit.

10 Rufen Sie unbedingt einen Spezialisten/eine Spezialistin an oder bitten Sie jemanden, für Sie einen Termin zu vereinbaren. Damit haben Sie den ersten Schritt getan um sich selbst zu heilen und Ihren Lebensmut wiederzugewinnen.

11 Gehen Sie zum Arzt bzw. zur Ärztin! Er/sie soll das Ausmaß Ihrer Erschöpfung feststellen und Ihnen Maßnahmen zur körperlichen Erholung vorschlagen. Sollten Sie noch keinen Psychologen/Psychologin, Psychiater/Psychiaterin, oder Psychotherapeuten/Psychotherapeutin aufgesucht haben, dann tun Sie es sofort! Bitten Sie eine Vertrauensperson, Sie dabei zu unterstützen.

12 Stadium 12 stellt eine handfeste Krise dar, nichts geht mehr! Es handelt sich um einen absoluten Notfall! Es ist Ihre Pflicht, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Sie brauchen eine umfangreiche medizinische Untersuchung und sollten, falls nötig, einem Krankenhausaufenthalt zustimmen. Lassen Sie zu, dass man Ihnen hilft!

An dieser Stelle kann ich nur an Ihr Gewissen appellieren, dass Sie nicht wegschauen, wenn Sie sehen, dass vielleicht ein Mitarbeiter oder eine Mitarbeiterin, Kollege oder Kollegin, eine Freundin oder ein Freund oder ein Familienmitglied Schwierigkeiten in Bezug auf Burnout hat. Seien Sie mutig und lassen Sie sich nicht abweisen. Menschen im Burnout haben Probleme sich einzugestehen, dass Sie Hilfe in Anspruch nehmen müssen. Sie glauben, sich eine Blöße zu geben beziehungsweise fühlen sich sogar schuldig, denn die meisten meinen, sie müssen mit allem selbst zurechtkommen.

Im nächsten Artikel geht es um die Rolle der Führungskraft. Wenn Sie mehr darüber wissen möchten, dann freue ich mich, wenn Sie wieder dabei sind in der nächsten Ausgabe von „Wenn die Uhr tickt“!


Quellen- und Literaturangabe:
Maria Auer, AV Akademiker Verlag (2013): Burnout – chice Modekrankheit oder ernsthafte Bedrohung?,
Herbert Freudenberger und Gail North, 13. Auflage 2011, Fischer Taschenbuchverlag, Burn-out bei Frauen. Über das Gefühl des Ausgebranntseins

Maria Auer, diplomierte Lebens- und Unternehmensberaterin arbeitete 30 Jahre als Führungskraft im Bankenwesen. Nach positiver Verarbeitung eines schweren Schicksalsschlages beschloss sie ihr Leben grundlegend zu verändern und stieg aus dem „System“ sehr bewusst aus. Heute inspiriert sie, als Rednerin auf Bühnen, als Buchautorin und als Coach, Menschen mehr (Selbst)-Bewusstsein und damit mehr Selbstbestimmung in ihr Leben zu bringen um letztendlich erfolgreich und glücklich zu sein.

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