Im letzten Artikel habe ich aufgezeigt, welche Möglichkeiten der/die Einzelne hat, um einem Burnout entgegenzuwirken. In dieser Ausgabe möchte ich Maßnahmen aufzeigen, was Sie als Führungskraft in Bezug auf Burnout für Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter tun können.

Von Maria Auer.

Burnout und die Rolle der Führungskraft

Es ist jedenfalls keine gute Lösung, ausgebrannte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einfach auszutauschen. Denn wenn Sie Burnout-gefährdete Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben oder wenn diese bereits wegen Burnout ausgefallen sind, dann passt etwas im System nicht. Es wäre nur eine Frage der Zeit wann der/die nächste Mitarbeiter/in in ein Burnout kommt. Außerdem ist zu bedenken, dass mit jedem Abgang eines Mitarbeiters/einer Mitarbeiterin wertvolles Know-How verloren geht, dass es sich ansteckend auf andere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auswirkt, dass die Arbeitsmoral im gesamten Team sinkt und somit wertvolle Zeit und Geld vergeudet werden.

In jedem sozialen System sollte man sich die Frage stellen: „Was muss sich ändern?“ und nicht „Wer muss sich ändern?

Burnout oder eine hohe Fluktuation weisen auf ein strukturelles Problem hin und in dieser Phase ist es dringend angeraten, darüber nachzudenken, wie man die Rahmenbedingungen verbessern kann. Verschaffen Sie sich einen Überblick über die aktuellen Belastungen und überlegen Sie gemeinsam mit Ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, wo man den Hebel ansetzten kann, um Verbesserungen herbeizuführen. Vergessen Sie dabei keinesfalls, dass Sie als Führungskraft für den Überblick und für die Koordination zuständig sind und dazu gehört es auch, Burnout-Prävention zu betreiben oder die Risikofaktoren in Ihrem Unternehmen bzw. in Ihrer Abteilung zu verringern.

Sabine Fabach führt in Ihrem Buch „Burn-out“ dazu Folgendes aus:

  • Schaffen Sie Klarheit über die Rollen- und die Aufgabenverteilung.
  • Definieren Sie die Ziele für Ihre Abteilung und Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eindeutig und passen Sie diese immer wieder an, wenn die Rahmenbedingungen von oben verändert werden.
  • Entwickeln Sie einen flexiblen Führungsstil, den Sie je nach Aufgabe und Persönlichkeit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern anpassen können.
  • Gehen Sie wertschätzend und respektvoll mit Ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern um.
  • Schaffen Sie Raum für persönliche Anerkennung sowie für regelmäßiges Feedback.
  • Ihr Umgang mit Fehlern hat Modellwirkung. Vermitteln Sie, dass Fehler positive Anregungen für Verbesserungen und zum Lernen sind.
  • Entwickeln Sie ein sicheres Krisenmanagement, bleiben Sie ruhig und behalten Sie den Überblick.
  • Führen Sie regelmäßige, auch auf einen Anlass bezogene Mitarbeitergespräche.
  • Schaffen Sie Bereiche, in denen Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter selbstbestimmt agieren können.

Ganz pragmatisch gesehen, schaden Sie sich und Ihrem Unternehmen, wenn Sie die Gesundheit Ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern nicht pflegen. Denn Krankenstände, hohe Fluktuation und verminderte Produktivität kosten Geld. Fehlendes Know-How, Kreativität und Beschwerden von Kundinnen und Kunden bremsen eine positive Entwicklung Ihres Unternehmens.

Sie sollten unbedingt auch wissen, dass Burnout kein Zeichen von Schwäche ist, das Gegenteil ist der Fall – es trifft meist Menschen, die immer stark waren, ein hohes Verantwortungsbewusstsein haben und sich viel aufbürden, weil sie allen alles recht machen wollen. Es trägt niemand Schuld daran und schon gar nicht der/die Betroffene. Es ist wichtig, das den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern oder Kolleginnen und Kollegen zu sagen, denn oft plagen die betroffenen Menschen Schuldgefühle und das ist auch ein Grund, warum sie nur schwer aus der Negativ-Spirale des Burnouts herauskommen.

Wenn der Druck in Ihrem Unternehmen stetig steigt, dann überlegen Sie auch, dass Sie durch ein Angebot von verschiedenen Maßnahmen, für Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, wie zum Beispiel Workshops, Trainings und Coachings, dazu beitragen können, die Situation zu entspannen. Eine Vielzahl an Themen wie Stärken stärken, Resilienz, Ressourcen-Arbeit, etc. wird gerade heute, im Bereich Burnout-Prävention, am Markt angeboten.

Letztendlich trägt Burnout-Prävention dazu bei, dass Sie Chef bzw. Chefin eines lebendigen und hochmotivierten Teams sind.

Im nächsten Artikel geht es um Reflexion und was es bringt, von Zeit zu Zeit inne zu halten. Ich freue mich, wenn Sie wieder dabei sind!


Quellen- und Literaturangabe:
Maria Auer, AV Akademiker Verlag (2013): Burnout – chice Modekrankheit oder ernsthafte Bedrohung?,
Herbert Freudenberger und Gail North, 13. Auflage 2011, Fischer Taschenbuchverlag, Burn-out bei Frauen. Über das Gefühl des Ausgebranntseins

Maria Auer, diplomierte Lebens- und Unternehmensberaterin arbeitete 30 Jahre als Führungskraft im Bankenwesen. Nach positiver Verarbeitung eines schweren Schicksalsschlages beschloss sie ihr Leben grundlegend zu verändern und stieg aus dem „System“ sehr bewusst aus. Heute inspiriert sie, als Rednerin auf Bühnen, als Buchautorin und als Coach, Menschen mehr (Selbst)-Bewusstsein und damit mehr Selbstbestimmung in ihr Leben zu bringen um letztendlich erfolgreich und glücklich zu sein.

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