In diesem letzten Teil meiner Artikelserie „Wenn die Uhr tickt“ möchte ich es nicht versäumen und Ihnen den wichtigsten Punkt mitgeben, um nicht in die Burnout-Spirale zu kommen. Das Wundermittel heißt Reflexion. Innehalten und feststellen, ob der Kurs noch der richtige ist. Jeder Mensch hat für sein Dasein eigene Vorstellungen von Glück und einem erfülltem Leben. Ein Beruf, der Freude macht, Freundinnen und Freunde, mit denen man Interessen teilt, Spaß haben kann und auf die man sich verlassen kann. Eine Familie, die zusammenhält und dem Leben Sinn gibt. Das sind nur einige Beispiele davon, was die meisten Menschen vom Leben erwarten.

Von Maria Auer.

Der Weg in die „Tretmühle“

Oft haben wir bereits als junge Menschen eine konkrete Vorstellung von unserem zukünftigen Leben. Meist wird nach Schule und Studium die Verwirklichung im Beruf angestrebt. Man möchte umsetzen, was man gelernt hat und dafür auch die berechtigte Anerkennung und Bezahlung erhalten. Noch ist jede Menge an Energie vorhanden; wir lernen die romantische Liebe kennen und beschließen zu heiraten und auch Kinder in die Welt zu setzen. Die mannigfaltigen Aufgaben, die wir uns nun selbst stellen und die uns von anderen – dem/der Partner/in, der Familie, dem/der Arbeitgeber/in – gestellt werden, beginnen bereits in diesem Stadium, völlig unbemerkt, den unheilvollen Grundstein für eventuelle spätere, oft erst nach vielen Jahren auftretende gesundheitliche Beeinträchtigungen zu legen. Im Beruf wollen wir uns beweisen und nehmen Herausforderung um Herausforderung an; die romantische Liebe läuft wie von selbst, da der Hormoncocktail, der die Beziehung so spannend macht, anfangs noch voll in Ordnung ist und sich mögliche kleine Probleme sich leicht ausräumen lassen. Nach dem Motto „schaffe, schaffe Häusle baue“ schreitet das Leben zügig voran und es werden gesellschaftsübliche Werte geschaffen. Flugs finden wir uns in der Tretmühle wieder und eines der wichtigsten Höhepunkte des Jahres wird es, sich auf den nächsten Sommerurlaub zu freuen. Größeren Konflikten in der Partnerschaft wird aus dem Weg gegangen und wir verschanzen uns hinter Arbeit, Fernsehen, Lesen und Ähnlichem, denn die Beschäftigung mit partnerschaftlichen Problemen würde uns Energie kosten und die benötigen wir ja für die Bewältigung des Arbeitsalltags.

Lebensqualität durch bewusste Gestaltung des Lebens

Will man das Leben bewusst gestalten, um in der Balance zu sein, ist es von Nöten, ab und zu inne zu halten und zu reflektieren. Was aber bedeutet Reflexion? Es kommt aus dem Lateinischen und heißt „zurückbeugen“ oder, wenn wir an Lichtspiegelungen denken, könnte es mit „Wiedergeben“ übersetzt werden.

Reflexion und im Besonderen die Selbstreflexion ist der erste Schritt zu einer Selbstregulation beziehungsweise zur Eigenverantwortung für Denk- und Handlungsprozesse zu kommen. Reflexion besteht nach Schön aus vier Teilbereichen: die Wahrnehmung der eigenen Situation, die Eingrenzung des Problems, das Umstrukturieren von Handlungsalternativen mit Hilfe des eigenen Wissens und eigenen Erfahrungen; und das Entwickeln neuer Handlungsalternativen.

Methoden zur Reflexion sind zum Beispiel das Schreiben (Erfolgs-, Tagebuch) und das spätere Lesen und darüber Nachdenken. Eine weitere Möglichkeit ist, mit jemandem darüber zu reden oder sich bestimmte Fragen zu stellen. Hier sind vor allem offene Fragestellungen, die mit „W“ beginnen, besonders geeignet (z.B.: Was hat dazu geführt, wie war meine Rolle dabei, wen brauche ich noch, wie kann ich etwas verbessern, etc.?).

Reflexion braucht auf jeden Fall Zeit. Oft können wenige Minuten genügen, aber manches Mal kann es auch nötig sein, sich eine längere Auszeit zu nehmen oder sich einem Dritten anzuvertrauen. Meine schönsten Reflexions- und Auszeiten waren: Fasten im Kloster, ein Aufenthalt im indischen Ashram, Pilgern am Jakobsweg – um nur einige Möglichkeiten zu nennen.

Schön, dass ich Sie sieben Monate begleiten durfte. Ich hoffe, ich konnte Sie mit meiner Artikelserie ein wenig zum Nachdenken bringen und Ihnen auch wertvolle Impulse und Hinweise für ein Leben in Balance geben. Wenn Sie sich gerne mit mir austauschen wollen, so zögern Sie nicht und schreiben Sie mir oder rufen Sie mich einfach an. Ich freue mich auf den Kontakt mit Ihnen.
—  Maria Auer

Kontakt: maria.auer@chancenmanufaktur.at
Informationen: www.chancenmanufaktur.at


Quellen- und Literaturangabe:
Maria Auer, AV Akademiker Verlag (2013): Burnout – chice Modekrankheit oder ernsthafte Bedrohung?
Donald Alan Schön, Basic Books (1983) The reflective Practitioner: How  Professionals think in Action

Maria Auer, diplomierte Lebens- und Unternehmensberaterin arbeitete mehr als 30 Jahre im Bankenwesen als Führungskraft in der Ausbildung. Nach positiver Verarbeitung eines schweren Schicksalsschlages beschloss sie ihr Leben grundlegend zu verändern und stieg aus dem „System“ sehr bewusst aus. Heute inspiriert sie, als Rednerin auf Bühnen, als Buchautorin, als Coach und Trainerin, Menschen mehr (Selbst)-Bewusstsein und damit mehr Selbstbestimmung in ihr Leben zu bringen um letztendlich erfolgreich und glücklich zu sein. Ihr letztes Buch zum Thema: Schnapp dir die Karotte – schnapp dir dein Glück.

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