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Weshalb die Pflege keine Lehre sein sollte

 

Jugend ist ein besonderer Abschnitt in einem Menschenleben. Nicht mehr Kind zu sein, sich loszulösen und ein eigenes Leben zu beginnen, daran erinnern wir uns alle. Als eine Zeit der Entdeckungen, als Zeiten von Krisen, als Zeiten des Suchens und Findens. Wer bin ich, wohin gehe ich, was möchte ich. 

 

Die Idee, gerade in dieser Zeit des Umbruchs mit einer Lehre in einen Beruf wie die Pflege einzusteigen, macht sehr nachdenklich. Ist es im Sinne des jungen Menschen, ihn mit einer Realität zu konfrontieren, die selbst für Erwachsene oft genug hohe psychische Stabilität braucht. Ist es im Sinne des jungen Menschen, ihn mit dem Alltag in einem Krankenhaus, in einer Langzeitpflegeeinrichtung zu konfrontieren? Der Vergleich, dass junge Zivildiener ebenfalls mit diesen Welten konfrontiert hinkt, denn sie sind bereits junge Erwachsene. 

 

Die Idee, das Problem des Pflegekräftemangels zu lösen, indem man „Lehrlinge“ durch eine rasche Ausbildung schickt, die erfahrungsgemäß viele bereits während der Lehrzeit abbrechen, die am Ende der Ausbildung im unteren Segment der Berufsgruppe landen, schadet nicht nur den Lehrlingen für ihre berufliche Zukunft. Es schadet auch dem System, weil Pflege eine hochqualifzierte Tätigkeit ist, die sich nicht in zahlreiche niedriger angesiedelten Dienstleistungen zersplittern soll. Und: sich damit der Verantwortung zu entziehen, gerade den Pflegeberufen Wertschätzung entgegenzubringen und für gute Bezahlung zu sorgen, die der schweren Arbeit entspricht, ist ein politischer Schachzug auf dem Rücken der Beteiligten. Deshalb soll die Pflege kein Lehrberuf sein. 

 

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Birgit Meinhard-Schiebel (Foto: Johannes Zinner)

Birgit Meinhard-Schiebel

Sozialmanagerin, Präsidentin der Interessengemeinschaft pflegender Angehöriger www.ig-pflege.at

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