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Selten sind pflegende Angehörige so sehr in den Fokus geraten wie in den letzten Wochen. Dort, wo sie direkt von der Covid-Krise betroffen wurden, waren sie in einer kritischen Situation. Sorgen und Ängste auf der einen Seite, Maßnahmen und Regelungen auf der anderen Seite.

 

Eine der größten Themen waren gerade zu Beginn die Sorge, ob die Betreuungskräfte, egal ob mobile Dienstleistungen oder die 24-Stunden-Betreuung bleiben würden. Oder ob nun alle Last allein bei ihnen liegen würden. Ob sie selbst erkennen könnten, ob sie oder ihre Angehörigen infiziert wären oder infiziert werden könnten, wenn die mobilen Dienste oder die 24-Stunden-BetreuerInnen kommen würden. Alles hat sich Tag und Nacht darum gedreht, wie es weitergeht und wie man das alles überstehen würde. Kaum jemand blieb davon verschont und bis heute gibt es keine Sicherheit dafür, dass „nun alles vorbei“ ist. Dazu kamen sehr rasch existenzielle Sorgen, Jobverluste in der Familie, Home-Office in Wohnungen, in denen viel zu wenig Platz ist, die Frage, ob alles an Vorräten gerade für den Fall der Pflege vorhanden ist oder es zu Engpässen kommen könnte. Sehr rasch sind auch durch den Lock Down in weiten Lebensbereichen wichtige Einrichtungen heruntergefahren worden, Tageszentren, Behindertenwerkstätten, Zugang zu Pflegeheimen – die ganze Wucht der Pandemie ist über sie hereingebrochen.

 

Was das mit dem Herz und mit dem Verstand zu tun hat? Ängste und Sorgen treiben rasch in irrationale Verhaltensweisen. Dort, wo üblicherweise der Verstand Situationen beherrschbar macht, waren die Sorgen und Ängste übermächtig.

 

Als Interessengemeinschaft pflegender Angehöriger ist uns sehr bald eine Vermittleraufgabe erwachsen. Zu erklären, weshalb manche Maßnahmen der öffentlichen Hand Schutz bieten sollen, um die Pandemie einschränken zu können und auch den berechtigten Ängsten, Verzweiflungen, Zusammenbrüchen ihren Platz zu geben.

 

Noch ist es nicht ausgestanden, noch bewegen wir uns auf unsicherem Terrain. Besonders dort, wo es um Pflege geht, besonders dort, wo pflegende Angehörige neben ihrer manchmal bereits gut eingeführten Routine aus dem Alltagsablauf geworfen werden. Klar geworden ist, deutlich, wie noch nie, dass psychosoziale Unterstützung und Begleitung von pflegenden Angehörigen zu einer der wichtigsten Forderungen werden muß, dass sie viel mehr denn je entlastet werden müssen, nicht nur jetzt, sondern immer. Nur dann wird es möglich sein, in ihnen weiterhin den größten Pflegedienst Österreichs zu haben. Nur dann.

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Birgit Meinhard-Schiebel (Foto: Johannes Zinner)

Birgit Meinhard-Schiebel

Sozialmanagerin, Präsidentin der Interessengemeinschaft pflegender Angehöriger www.ig-pflege.at

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