GRUNDBEGRIFFE: KIS & KAS von Viktoria Redl

Grundbegriffe: KIS & KAS

Die wachsende elektronische Unterstützung im Gesundheitswesen führte zu einem Pool an Begrifflichkeiten und Akronymen, ohne dass deren Bedeutung klar definiert wurde. Wir versuchen ein bisschen Klarheit zu schaffen.

Das soziotechnische System

Das Informationssystem (IS) ist ein soziotechnisches System. Es handelt sich um ein „Mensch/Aufgabe/Technik-System“, welches Daten produziert, beschafft sowie verteilt und verarbeitet. Der Mensch ist Anwender des Systems. Er hat verschiedene Aufgaben, die mit dem System zu erfüllen sind. Daher sollte das System so gut wie möglich auf diese Aufgaben und Bedürfnisse angepasst sein. Die Aufgabe ist quasi das Problem, welches mit dem System gelöst werden muss. Hinter der Aufgabe stehen meistens betriebliche Handlungsziele. Aus diesen Aufgaben können auch die funktionalen Anforderungen an das System definiert werden. Die Technik selbst besteht aus Soft- und Hardware. Sie hat bestimmte Verarbeitungs-, Verteilungs- und Speicherungsprozesse zum Ziel.

Ein Krankenhausinformationssystem (KIS) ist lt. Ammenwerth das sozio-technische System aller Informationsverarbeitungen, -übermittlungen und –speicherungen im Krankenhaus. Das KIS steht also für die Gesamtheit aller informationsverarbeitenden Systeme der Informationstechnik zur Erfassung, Bearbeitung und Weitergabe medizinischer sowie administrativer Daten im Krankenhaus. Ziel eines KIS ist es, die Kommunikation zwischen den MitarbeiterInnen zu verbessern und die Arbeitsabläufe in einem Krankenhaus zu organisieren und zu steuern.

die klinischen Arbeitsplatzsysteme

Das klinische Arbeitsplatzsystem (KAS) ist der patientInnenzentrierte Teil eines KIS, welcher eine immer größere Rolle spielt. Meist sind in einem Krankenhaus Systeme unterschiedlicher Hersteller integriert. Das KAS stellt als Frontend den Informationszugriff in seiner gesamten Funktionalität für das Krankenhauspersonal am jeweiligen Arbeitsplatz bereit. Diese können demnach je nach Tätigkeitsbereich unterschiedliche Systeme oder unterschiedliche Konfigurationen mit sich bringen. In einer Ambulanz sind andere Anforderungen abzubilden als in einem OP oder einer Normalstation.

Jede Gesundheitseinrichtung verfolgt Unternehmensziele, welche mit definierten Unternehmensaufgaben erreicht werden. Diese können sich auch je nach Strategie ändern oder erweitern, was wiederum zu neuen Aufgaben im Unternehmen und zu Anforderungen an Informationssysteme führt.

Die einzelnen Aufgaben und Dokumentationsschritte, welche für das Krankenhauspersonal von Aufnahme bis zur Entlassung der PatientInnen anfallen, sind bereits in vielen Einrichtungen durch den Einsatz elektronischer Systeme geprägt. Dies beginnt bei der administrativen Aufnahme der PatientInnen, geht über medizinische wie pflegerische Assessments sowie Medikationserfassung und beinhaltet die Dokumentation ärztlicher und pflegerischer Leistungen. Meist fallen unterschiedliche Untersuchungen an und vielleicht findet ein operativer Eingriff statt. Auch das Entlassungsmanagement leitet bei Bedarf weitere Schritte ein.

Die Krankenhausinformationssysteme unterstützen diese Aufgaben durch eine geeignete Datenerfassung und Bereitstellung. Da dies meist durch unterschiedliche Systeme erfolgt, müssen die integrierten Systeme miteinander kommunizieren.

drei Typen rechnerbasierter Anwendungssysteme

Betrachten wir mal die IT-Infrastruktur einer klinischen Einrichtung stark vereinfacht, so können wir drei Typen von rechnerbasierten Anwendungssystemen und deren Grundfunktionen zur Unterstützung der Unternehmensaufgaben unterscheiden:

  • das Verwaltungssystem: für Aufgaben im Bereich der PatientInnen- und Krankenhausverwaltung (Patientenmanagementsystem = PMS)
  • das klinische Arbeitsplatzsystem (KAS) oder auch klinisches Dokumentations- und Managementsystem (KDMS) genannt: unterstützt die Aufgaben auf den Stationen und in den Ambulanzen
  • und die Spezial-/Subsysteme: dienen in den diagnostischen und therapeutischen Funktionsbereichen.

Es ist kaum möglich ein KIS oder KAS zu kaufen und sofort damit loszulegen. Es steckt meist ein großer Aufwand für Kunde und Hersteller dahinter, um die zur Verfügung stehenden Funktionen, an die Bedürfnisse des Anwenders anzupassen. In vielen Workshops werden anhand verschiedener Konfigurationsmöglichkeiten die Darstellung der Inhalte sowie die Funktionen an die Anforderungen der User angepasst, um die Arbeitsabläufe so optimal wie möglich zu unterstützen. Es können sich auch Neuanforderungen bei der Integration oder laufenden Nutzung ergeben, welche dann vom Hersteller im besten Fall umgesetzt werden.

Grafik klinische Anwendungssysteme und deren Aufgaben

zum Nachlesen:
H.U. Prokosch: KAS, KIS, EKA, EPA, EGA, E-Health: Ein Plädoyer gegen die babylonische Begriffsverwirrung in der Medizinischen Informatik: https://www.imi.med.fau.de/wp-content/uploads/2015/09/ProkoschHU.2001.KAS-KIS-EKA.pdf
E. Ammenwerth: Anwendungssysteme im Gesundheitsweisen: https://www.enzyklopaedie-der-wirtschaftsinformatik.de/wi-enzyklopaedie/lexikon/informationssysteme/Sektorspezifische-Anwendungssysteme/Gesundheitswesen–Anwendungssysteme-im
C.M. Livi: Marktübersicht klinische Informationssysteme: https://docplayer.org/16391134-Marktuebersicht-klinische-informationssysteme.html
H. Czap: Krankenhausinformationssystem/Klinisches Arbeitsplatzsystem: https://www.enzyklopaedie-der-wirtschaftsinformatik.de/wi-enzyklopaedie/lexikon/informationssysteme/Sektorspezifische-Anwendungssysteme/Gesundheitswesen–Anwendungssysteme-im/Krankenhausinformationssystem/index.html

GRUNDBEGRIFFE: KIS & KAS von Viktoria Redl

Viktoria Redl

Viktoria Redl ist diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegeperson, Pflegeinformatikerin und Produktverantwortliche für ein Pflegedokumentationssystem.

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