Und was, wenn auch sie es nicht mehr tun?

Die Pflegekräfte stehen auf der Straße und demonstrieren, denn es ist 5 nach 12. Sie kämpfen seit Jahren auf verschiedenen Ebenen und geben nicht auf. Was wäre, wenn sie ihre Arbeit tatsächlich niederlegen? Unvorstellbar?
Was wäre, wenn pflegende Angehörige und Zugehörige aufstehen, ihre pflegebedürftigen Menschen daheim unversorgt lassen und auf die Straße gehen, weil es 10 nach 12 ist? Wer würde dann ihre vielen vielen Stunden der „informellen“ Pflege übernehmen? Die Feuerwehr, die Polizei, die Rettungsdienste, die Pflegekräfte, das Militär, die selbst auf die Straße gehen?
Darüber hat bisher niemand nachgedacht. Obwohl alle - buchstäblich alle - wissen, dass das System von einer Minute zur anderen zusammenbrechen würde, wenn die fast 1 Million Menschen (die Zahlen sind belegt und keine Fantasie) ganz einfach „Es reicht, wir hören auf“ sagen würden? Es helfen weder Versuche wie „Anstellungsmodelle“, die mit vielen Konsequenzen für sie selbst und ihre pflegebedürftigen Angehörigen verbunden sind und über das Pilotstadium kaum hinauskommen, außer es ist gerade Wahlkampf im Bundesland. Es helfen keine Beschwörungen, dass sie so wertvoll sind und den gesamten Staat in mehrfacher Milliardenhöhe mit ihrer Leistung entlasten. Es helfen keine Appelle an ihre „Liebe, mit der sie pflegen“. Es helfen die kostenlosen Pensions- und Sozialversicherungsleistungen oder Pflegekarenz, Ersatzpflege, für sie nur in einem viel zu geringen Umfang.
Das „Glück“ ist, dass sie es nicht tun, dass sie sich ihrer Macht nicht bewußt sind und „dass das schon immer so war“. Bis zu dem Tag, an dem sie aufstehen und sagen „Es reicht, wir hören auf“.
Und was, wenn auch sie es nicht mehr tun?

Birgit Meinhard-Schiebel

Sozialmanagerin, Präsidentin der Interessengemeinschaft pflegender Angehöriger www.ig-pflege.at

Foto: Katrin Schützenauer

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